Wirtschaft : Schwere Vorwürfe an den Senat

BERLIN (olm).Nach dreijähriger Talfahrt im Berliner Handwerk ist auch am Ende des laufenden Geschäftsjahres kein Trend für einen nachhaltigen Aufschwung erkennbar.Der Umsatz der Betriebe stagniert bei insgesamt rund 29,3 Mrd.DM, die Zahl der Beschäftigten sank um 16 600 auf nur noch 243 000 und lediglich 60 Prozent der Firmeninhaber sind mit der Geschäftslage in diesem Zeitraum zufrieden.

Schwere Vorwürfe richtete Handwerkspräsident Hans-Dieter Blaese am Montag gegen Senat und Bezirke.Die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand, die immerhin 35 Prozent der Umsätze im Berliner Handwerk garantiert, sei katastrophal und bringe viele Betriebe an die Grenze ihrer Liquidität.Auf die Zahlung ordnungsmäßig gestellter Zwischenrechnungen müßten die Unternehmen bis zu drei Monate warten, die Bearbeitung von Abschlußrechnungen dauere noch länger.Ein weiteres Problem sieht Blaese darin, daß wegen der hohen Lohnverrechnungssätze immer weniger Aufträge das Berliner Handwerk erreichen.Schon kleine Ausschreibungen bis 30 000 DM gingen häufig an Briefkastenfirmen, die ihren Sitz nicht in der Stadt haben.Von Gesprächsrunden, die in Anlehnung an die Pläne der neuen Bundesregierung auch auf regionaler Ebene stattfinden sollen, hält Blaese wenig.Nur, wenn alle bereit wären, bei ihren Forderungen Abstriche zu machen, könnte es zu positiven Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt kommen.Für Berlin bedeute das, höhere Zuschüsse für die Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen, der Verzicht auf das Anheben des Gewerbesteuerhebesatzes auf 410 Prozent sowie die konsequente Anwendung der beschränkten Ausschreibung öffentlicher Aufträge bis zu 600 000 DM.Als Gegenleistung sei das Berliner Handwerk bereit, verstärkt Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen.

Nach jetzt vorliegenden Prognosen rechnet Blaese weder im letzten Quartal 1998 noch im kommenden Geschäftsjahr mit einer durchgreifenden Trendwende für das Berliner Handwerk.Im Baugewerbe seien sogar dramatische Umsatzrückgänge zu befürchten.Nach Vorlage der neuen Bonner Steuerpläne "können wir die Hoffnung auf eine schnelle Verringerung der Lohnzusatzkosten und eine damit verbundene Entlastung für den Mittelstand begraben", sagte Blaese.

Zu den positiven Entwicklungen in der Stadt zählt der Kammerpräsident eine zur Zeit etwas bessere Beurteilung der Geschäftslage als in den beiden ersten Quartalen, eine geringe Zunahme der Beschäftigten sowie leicht steigende Umsätze.Dagegen habe der Auftragsbestand von 6,6 Wochen auf nur noch 5,7 Wochen abgenommen.

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