Schwere Vorwürfe der Umwelthilfe : Opel unter Diesel-Verdacht

Die Umwelthilfe hat bei Tests auffällige Diesel-Abgaswerte bei einem Opel Zafira gefunden. Der Vorwurf: Auch die GM-Tochter hat getrickst. Das Unternehmen lässt den TÜV nachmessen und weist die Anschuldigungen empört zurück.

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Schmutzig. In der Affäre um manipulierte Abgastests bei Volkswagen erhebt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun auch schwere Vorwürfe gegen den Autobauer Opel.
Schmutzig. In der Affäre um manipulierte Abgastests bei Volkswagen erhebt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nun auch schwere Vorwürfe...Foto: dpa

Nach dem VW-Dieselskandal sieht sich auch Opel dem Vorwurf ausgesetzt, bei Abgaswerten getrickst zu haben. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) präsentierte am Freitag eigene Messergebnisse für einen Opel Zafira, die belegen könnten, dass bei der Behandlung der Abgase Abschalteinrichtungen zum Einsatz kamen. Opel hatte nach Bekanntwerden des VW-Skandals erklärt, keine solchen Features einzusetzen. Die DUH forderte das Kraftfahrtbundesamt auf, das Automodell zu überprüfen.
Opel wies die Anschuldigungen als „eindeutig falsch und unbegründet“ zurück. „Da ist nichts dran“, sagte ein Sprecher. Im Beisein des TÜV Hessen unterzog die General-Motors-Tochter am Freitag das betreffende Zafira-Modell einem weiteren Test. „Hierbei wurden gesetzeskonforme Abgaswerte erzielt“, teilte Opel mit. „In höchstem Maße unfair“ sei, dass die Umwelthilfe Behauptungen aufstelle, Opel aber trotz mehrfacher Aufforderung die angeblich gemessenen Werte nicht zur Verfügung gestellt habe. Es gelte uneingeschränkt: „Von GM entwickelte Software hat keine Features, die feststellen, ob das Fahrzeug einem Emissionstest unterzogen wird.“

Auf vier Rollen und bei hohem Tempo explodieren die Abgaswerte

Die DUH erklärte hingegen, der Prüfbericht samt aller Messergebnisse sei Opel am Freitag zur Verfügung gestellt worden. Man warte im Gegenzug auf Daten von Opel. Bei einem 2015 zugelassenen Opel Zafira 1.6 CDTi hätten sich große Abweichungen bei den Stickoxidwerten (NOx) ergeben – je nachdem, ob das Auto im Testlabor auf zwei oder vier Rollen gefahren worden sei. Beim Vier- Rollen-Test, bei dem sich wie auf der Straße alle vier Räder bewegen, soll demnach der Grenzwert der Euro-6-Norm für Stickoxid um ein Vielfaches übertroffen worden sein, im offiziellen Zwei-Rollen-Test mit zwei Vorderrädern in Bewegung sei er eingehalten worden. Außerdem seien die NOx-Werte schlagartig angestiegen, wenn die Geschwindigkeit kontinuierlich auf 150 km/h gesteigert worden sei.
„Das Verhalten könnte durch eine Abschaltung der Ad-Blue-Dosierung erklärbar sein“, zitierte die DUH aus dem Prüfgutachten der beauftragten Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule, die für Schweizer Behörden tätig ist. Ad-Blue ist der Markenname einer Harnstofflösung, mit der der Ausstoß von Stickoxiden bei Dieselmotoren reduziert wird. „Ich habe keine normale technisch plausible Erklärung für das Abgasverhalten des Opelfahrzeuges“, sagte laut DUH der Verkehrsberater Axel Friedrich. Der Naturschutzbund Deutschland forderte, alle Automodelle systematisch überprüfen zu lassen: „Die Bundesregierung macht sich mitschuldig an der viel zu hohen Belastung mit Stickoxiden in der Atemluft, wenn sie auf die neuerlichen Hinweise zu Grenzwertüberschreitungen nicht reagiert.“ Aus dem Verkehrsministerium hieß es, entsprechende Tests anderer Hersteller-Modelle seien noch nicht abgeschlossen. Die Bundesregierung arbeite an der Entwicklung von Tests, bei denen der Schadstoffausstoß unter realen Bedingungen gemessen werden soll.

Opel testet - und findet nur korrekte Werte


Die Umwelthilfe hatte nach Bekanntwerden des VW-Skandals Mitte September mitgeteilt, ihr lägen „detaillierte Hinweise auf illegale Abgasmanipulationen bei den Herstellern Opel, BMW, Daimler, Audi und Volkswagen“ vor. Entsprechende Belege dafür gab es bislang nicht. „Wir haben uns dazu entschlossen, bei unseren Abgastests mit dem Opel Zafira zu beginnen, weil wir zu diesem Fahrzeug besonders detaillierte Hinweise auf Unstimmigkeiten bei der Abgasreinigung erhalten haben“, sagte DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch am Freitag. Er kündigte weitere Abgastests von aktuellen Euro-6-Diesel-Fahrzeugen deutscher und ausländischer Hersteller an.
Opel erklärte am Freitag, seine Ingenieure hätten nach einer DUH-Anfrage zusätzliche Tests mit einem Zafira mit 1,6- Liter-Euro-6-Dieselmotor nach den gesetzlichen Vorschriften sowohl auf einem Zwei- als auch auf einem Vier-Rollen-Prüfstand nachgefahren und protokolliert. Das Resultat: „Die Werte sind absolut korrekt und im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.“ Die Anschuldigungen seien deshalb unbegründet. GM sorge dafür, dass alle Produkte sämtliche Abgasnormen der Märkte erfüllen, in denen sie verkauft werden.

Verkehrsminister Dobrindt spricht auf USA-Reise über VW

Volkswagen hatte Motoren mit der älteren Euro-5-Norm manipuliert. Untersuchungen neuerer Euro-6-Motoren hatten keine Auffälligkeiten gezeigt. Durch eine Software in den veränderten Volkswagen-Motoren der Baureihe EA189 wurde bei Tests ein niedrigerer Schadstoffausstoß gemessen als im Normalbetrieb. Die Software, die erkennen kann, wann ein Auto getestet wird, wurde weltweit in elf Millionen Dieselfahrzeuge verschiedener Volkswagen-Marken eingebaut.
Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will bei einer Reise in die USA in der kommenden Woche auch über den Abgas-Skandal bei Volkswagen sprechen. Vereinbart wurden dafür Treffen mit seinem Amtskollegen Anthony Foxx und bei der US-Umweltbehörde EPA in Washington, wie das Verkehrsministerium in Berlin mitteilte. Die US-Behörde hatte die gefälschten Abgaswerte bei VW-Dieselfahrzeugen ans Licht gebracht. Themen der fünftägigen Reise, die an diesem Montag beginnt, sind Digitalisierung sowie vernetztes und automatisiertes Fahren. Dobrindt will unter anderem ein Testgelände der Universität Michigan besuchen, vorgesehen sind auch Termine bei Google und BMW. mit dpa

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