Wirtschaft : Schwere Vorwürfe des Ex-Staatsanwalts gegen russische Spitzenpolitiker

mbr

780 hochrangige russische Politiker und Funktionäre sollen nach Angaben des abgesetzten russischen Generalstaatsanwalts Jurij Skuratow Insidergeschäfte mit russischen Staatsanleihen gemacht haben. Bislang nannte Skuratow nur drei Namen: Anatolij Tschubais (Ex-Vizepremier, Privatisierungsminister sowie Kreml-Administrationschef und damit rechte Hand von Präsident Boris Jelzin), Walerij Serow (Ex-Vizeministerpräsident) und Andrej Kosyrew (ehemaliger Außenminister). Dieser wies die Vorwürfe als "100prozentige Lüge" zurück. "Tschubais war als Vizepremier einer der Spieler auf dem GKO-Markt. Das war 1997 und meines Wissens auch 1998 noch so", sagte Skuratow. Bei den GKO handelt es sich um hochverzinste Kurzläuferanleihen. Ihre Bedienung wurde bei der Rubelkrise im August vorigen Jahres ausgesetzt. Die Insider hätten aber vom Rubel-Crash vorher gewusst und daher vor dem Zusammenbruch des GKO-Markts mit hohen Gewinnen aussteigen können, die sie in den Westen transferierten.

Das behauptet neben Skuratow auch Michail Chodorkowskij, dessen inzwischen bankrotte Bank Menatep im Zusammenhang mit dem Geldwäsche-Milliardenskandal bei der Bank of New York genannt wird. Möglicherweise sind weitere Banken in den Skandal verwickelt, die bisher nicht bekannt waren. Außerdem soll die Schweizer Baufirma Mabetex des Kosovo-Albaners Begjhet Pacolli 15 Mill. Schweizer Franken an Schmiergeldern an Kreml-Funktionäre gezahlt haben, sagte Ex-Generalstaatsanwalt Skuratow am Dienstag. Bislang war von zwei Mill. Dollar die Rede. Zudem ist jetzt erstmals ein möglicher Zusammenhang zwischen der Schmiergeldaffäre mit Kreditkarten für Präsident Boris Jelzin und dem Geldwäscheskandal aufgetaucht. Beim Durchforsten der Schweizer Konten russischer Politiker und Topbeamter soll den Tessiner Ermittlern eine Überweisung an die Bank of New York aufgefallen sein, die Mabetex für den Kreml-Administrationschef und langjährigen engen Freund von Präsident Boris Jelzin, Pawel Borodin, bei der Gotthard-Bank in Lugano eingerichtet hatte. Die Bank of New York wird genannt im Zusammenhang mit der Milliarden-Geldwäsche russischer Mafiosi und Politiker.

Neben der bisher im Zusammenhang mit dem New Yorker Geldwäscheskandal genannten Bank Menatep geraten auch andere Banken in die Ermittlungen. Menatep-Vize war der ehemalige russische IWF-Direktor Konstantin Kagalowskij, dessen Frau Natascha bei der Bank of New York bis zu ihrer Suspendierung für das Osteuropageschäft zuständig war. Inzwischen gerät auch die russische Großbank Meschprombank ins Visier der Fahnder. Deren Vizepräsidentin Eleonora Rasdorskaja hat bei der Gründung der International Investment Financial Company (IIFC) auf der Isle of Man mitgewirkt, die wie die der Geldwäsche beschuldigte Gruppe Benex Worldwide Ltd. vom aus Russland stammenden Geschäftsmann Peter Berlin gegründet worden sein soll. Berlin gilt als Strohmann des ukrainisch-jüdischen Mafiapaten Semjon Mogiljewitsch. Berlins Frau Lucy Edwards wurde als Vizechefin der Londoner Filiale der Bank of New York entlassen, weil sie Dokumente gefälscht haben soll. Die Meschprombank ist das einzige russische Kreditinstitut, das im vorigen Jahr auf der Jahrestagung der Weltbank zugelassen war. Sie arbeitet eng mit der im Schmiergeldskandal befleckten Kreml-Administration zusammen, in der Premier Wladimir Putin einige Monate lang Vizechef unter Tschubais war. Dieser, inzwischen Chef des Energiegiganten RAO EES, gerät auch dort weiter unter Druck: RAO EES und die Mogiljewitsch zugerechnete Firma Arbat International hatten gemeinsam Anteile an der russischen TEMBR-Bank.

Mogiljewitsch soll über die ihm zugerechneten Benex-Konten bei der New Yorker Bank Milliarden gewaschen haben. In dem Fall werden auch Tschubais und Jelzins Tochter Tatjana genannt, wofür es aber bislang keine Beweise gibt. Ebenso wenig für die Behauptung, Jelzin sei per Kreditkarte von Mabetex "geschmiert" worden.

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