Wirtschaft : Schwere Vorwürfe gegen Fonds der Commerzbank Faule Engagements in Berlin

kosten die Anleger Millionen

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Berlin. Prinz Poldi von Bayern fiel auf die Masche herein. Schlagersänger Jürgen Drews auch. Beide glaubten Anfang der neunziger Jahre, eine Eigentumswohnung im damals prosperierenden Berlin zu erwerben. In Wirklichkeit beteiligten sie sich an Immobilien-Fonds der Commerzbank, die ihnen heute mit dem Gerichtsvollzieher droht. Grund: Die Gesellschaften sind überschuldet. Kampflos wollen sich die Promis nicht ihrem Schicksal ergeben. Einige der Anleger haben die Kanzlei von Rechtsprofessor Volker Thieler verpflichtet. Thieler wirft dem Geldhaus vor, bei den Fonds „größte kriminelle Energie“ entfaltet zu haben. Statt in die versprochenen Immobilien hätten Teile der Anleger-Millionen zur Bestechung von Bankern, Rechtsanwälten sowie Notaren gedient oder seien als Zinsen und Provisionen zur Commerzbank zurückgeflossen.

Das Geschäft soll im großen Maßstab aufgezogen worden sein. Thieler will erfahren haben, dass die Commerzbank derzeit rund 331 Not leidende Immobilienfonds sanieren muss. Der drohende Schaden belaufe sich auf rund zwei Milliarden Euro. Auf Nachfrage des Tagesspiegels bestätigte eine Commerzbank-Sprecherin, dass „drei Fälle derzeit vor Gericht anhängig sind“. Mit 50 Gesellschaftern aus diesen Fonds seien Vergleiche geschlossen worden.

„Der Vergleich ist nichts wert“, sagt Rechtsanwalt Thieler. Wer ihn annehme, müsse weiter damit rechnen, dass die Commerzbank die Immobilie zwangsversteigert und sogar auf sein privates Vermögen zurückgreift, um Verluste auszugleichen. Die „perfiden“ Commerzbank-Fonds sähen eine uneingeschränkte Haftung jedes einzelnen Gesellschafters vor. Dies hätten die Fondsinitiatoren den Betroffenen beim Verkauf der Fondsanteile verschwiegen. Den Anlegern sei vorgegaukelt worden, sie erwerben eine Eigentumswohnung. Die Investition rechne sich durch Steuervorteile und Mieteinnahmen.

Dies war nach Auffassung von Thieler „von Anfang an unmöglich“. Denn die Immobilien seien zu völlig überhöhten Preisen erworben und mit Millionengewinnen der Initiatoren an die Fonds weiterverkauft worden. Die angekündigte Sanierung, die Mieterhöhungen erlaubt hätte, habe nie stattgefunden. Das Geld sei vorher verbraucht worden, um die Kreditzinsen der Commerzbank zu bezahlen. All dies war der Bank nach Auffassung des Münchner Rechtsprofessors von Beginn an bekannt. Ralf Schönball

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