Wirtschaft : Schweren Herzens Abschied von Berlin

Helmut Müller, Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das VersicherungswesenNoch ist der gebürtige Berliner Helmut Müller an der Spree, doch der Präsident des Bundesaufsichtsamtes für das Versicherungswesen muß sich - zusammen mit rund 200 der derzeit 350 Mitarbeiter - allmählich auf den Umzug nach Bonn einstellen.Das Amt wird an den Rhein verlegte.Dies geschieht, so seine neuesten Informationen, etwa Ende 1999/Anfang des Jahres 2000.Müller gefällt dies nicht besonders, aber ihm ist klar, daß Bonn eine Kompensation für den Regierungsumzug braucht.Nur hätte er sich beispielsweise gewünscht, daß sich der Berliner Senat mehr um die Umzügler kümmert. Im Juni 1937 wurde Helmut Müller in Berlin geboren, während des Krieges war er evakuiert.Sein Abitur machte er dann aber am altehrwürdigen Französischen Gymnasium in Berlin und zusätzlich noch das an der Universität Straßburg.Da wundert es nicht, daß er Französisch in Sprache und Schrift fließend beherrscht.Vielleicht versüßt ihm dies den Umzug nach Bonn, denn immerhin liegt die ehemalige Hauptstadt und heutige Bundesstadt näher beim französischen Nachbarn. Nach Abitur und Baccalauréat studierte Müller Rechtswissenschaften in Berlin und Hamburg.Nach dem Staatsexamen promovierte er noch.Mit der Elbe-Stadt verbindet er angenehme Erinnerungen, schon weil er dort seine Frau kennengelernt hat. Die Arbeit im Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen hat der heute 60järige von der Pike auf gelernt.Im April 1967 begann er in der Behörde als Referent.Seit Oktober 1989 war er dort Vizepräsident.Im Januar diesen Jahres, nach dreißig Jahren Erfahrung mit dem Amt, wurde er an dessen Spitze berufen und bekam die Urkunde für das Präsidentenamt überreicht. Müller liebt seine Arbeit und betont, daß ihm in all den Jahren nie jemand hineingeredet habe, weder das aufsichtsführende Finanzministerium noch sonst jemand.An anderen Stellenangeboten habe es nicht gemangelt, auch ein höherer Verdienst wäre bei einem Jobwechsel immer wieder möglich gewesen, sagt er.Dennoch hat er nie ernsthaft in Erwägung gezogen, das Bundesaufsichtsamt zu verlassen: "Man ist bei solch eine Bundesbehörde unglaublich unabhängig", sagt er.Und, bei einem Stellenwechsel hätte er aus Berlin fortgemußt. An der Hauptstadt gefällt ihm vor allen die Internationalität und das breite Kulturangebot, daß er nach Kräften nutzt.Ist doch die Musik, und hier besonders die Oper, eines seiner liebsten Hobbys.Aber er sieht auch die Schattenseiten der Stadt: "Wenn wir wirklich Metropole werden wollen, brauchen wir mehr Kreativität, wir brauchen Visionen", beschreibt er Berlins Problem.Und er sagt auch: "Berlin war politisch immer eine interessante Stadt, auch wenn es jetzt etwas verschlafen wirkt." Was aus dem riesigen Haus am Ludwigkirchplatz wird, weiß Müller noch nicht, aber er hat versucht Anregungen zu geben.Er könnte sich beispielsweise einen Ombudsmann für das Versicherungswesen vorstellen, gehen in seinem Amt doch rund 30 000 Beschwerden von Versicherten ein.Auch eine Versicherungsakademie für Osteuropa wäre für ihn eine gute Lösung ein.Auch von dort häufen sich Fragen, wie man denn ein modernes und vor allem solides Versicherungswesen organisiert und vor allem überwacht.In diesen Dingen ist Müller ein absoluter Fachmann.

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