Wirtschaft : Schwerer Start für den neuen Bayer-Chef

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Zum Abschied hatte Manfred Schneider überwiegend schlechte Nachrichten für seine Aktionäre. "Der Start in das neue Jahr war enttäuschend", sagte der scheidende Vorstandschef der Bayer AG auf der Hauptversammlung am Freitag in Köln. Der Pharma- und Chemiekonzern hatte im ersten Quartal 2002 einen Einbruch im eigentlichen Geschäft hinnehmen müssen.

Von den Rückgängen in den ersten drei Monaten waren alle Konzernbereiche gleichermaßen betroffen - Chemie, Gesundheit, Landwirtschaft und Polymere (Kunststoffe). Alle vier Säulen verzeichneten zweistellige Ergebnisrückgänge, wobei die mit 2,6 Milliarden Euro Umsatz führende Polymer-Sparte mit einem Gewinneinbruch von 60 Prozent den schlechtesten Schnitt machte. "Dies zeigt, dass von Trendwende bisher keine Rede sein kann", sagte Schneider. Nur der neu strukturierte Landwirtschaftsbereich schaffte ein Umsatzwachstum von sechs Prozent.

Der operative Gewinn, der Sonderposten noch nicht berücksichtigt, ging auf 493 Millionen Euro zurück, das sind 46 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Auch der Umsatz sank um sechs Prozent auf sieben Milliarden Euro. Nur durch Immobilienverkäufe konnte Bayer den Konzernüberschuss um 20 Prozent auf 524 Millionen Euro erhöhen.

Schneiders Begründung für den verhaltenen Start: "Das wirtschaftliche Umfeld ist nach wie vor schwierig, und es gibt noch keine eindeutigen Signale für eine durchgreifende Erholung." Eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr will das Bayer-Management erst in den nächsten Wochen abgeben. Wegen der anstehenden Unternehmensverkäufe in diesem Jahr rechnet Bayer jedoch mit einem deutlich steigenden Jahresüberschuss.

Mit einem Einnahmenrückgang von sechs Prozent auf 2,4 Milliarden Euro präsentierte sich auch die im letzten Jahr arg gebeutelte Gesundheitssparte schwach. Im vergangenen Jahr hatte Bayer die Produktion des Bluter-Medikaments Kogenate wegen Qualitätsproblemen zeitweise einstellen müssen. Den Cholesterinsenker Lipobay, der mit rund 100 Todesfällen in Verbindung gebracht wird, musste das Unternehmen sogar ganz vom Markt nehmen. Daraufhin verbuchte der Konzern im dritten Quartal zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Verlust. Um das Pharmageschäft zu stärken, sucht Bayer nach Partnern. Mit einem Umsatz von zehn Milliarden Euro habe der Bereich jedoch genügend kritische Masse, um auf dem wettbewerbsintensiven Markt eine führende Rolle zu spielen, sagte Schneider.

Aktionärsvertreter sehen das anders. "Bayer hat die kritische Größe bisher nicht erreicht", sagte die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher. "Wenn das Unternehmen nicht zügig einen Partner im Pharmabereich findet, wird es eng." Letztendlich entscheide die Pharmasparte über die Zukunft des gesamten Unternehmens.

Als "zögerlich und unprofessionell" bezeichnete die Aktionärsvertreterin auch das Verhalten des Managements im Lipobay-Skandal. Die Bayer-Führung habe es versäumt, ausreichend professionell und offensiv zu handeln und damit letztendlich den Aktionären geschadet. Die Lipobay-Krise verursachte den größten Kursrutsch der Bayer-Aktie in der Unternehmensgeschichte. Zusätzlich wurde die Konzernbilanz durch die Rücknahme von Lipobay im vergangenen Jahr um 800 Millionen Euro belastet. Daher beantragte die DSW, den BayerVorstand nicht zu entlasten.

Manfred Schneider machte klar, dass sich der Vorstand bei der Partnersuche für den Pharmabereich nicht drängen lasse: "Man heiratet ja auch nicht die erstbeste Frau, die man findet." Die Kooperation mit Aventis Behring im Pharma-Bereich sei schon ein erheblicher Fortschritt. Beide Unternehmen wollen bei Blutplasma-Produkten enger zusammenarbeiten. Daneben versprach Schneider: "Angesichts der zurzeit unbefriedigenden Entwicklung tun wir alles, um gegenzusteuern und die Ertragslage zu verbessern." Bayer will unter anderem Kosten in Höhe von 500 Millionen Euro einsparen.

Auf der Hauptversammlung fielen auch wichtige Personalentscheidungen. Der bisherige Bayer-Chef Schneider übergab sein Amt an Finanzvorstand Werner Wenning, der zukünftig mit vier weiteren Vorständen die "Neue Bayer" führen wird. Auch der Aufsichtsrat ist neu besetzt worden. Neben dem ehemaligen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Olaf Henkel, wird auch der zukünftige Vorstandschef von Linde, Wolfgang Reitzle, dem Kontrollausschuss beitreten. Hinzu kommen der designierte Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sowie der Allianz-Chef Paul Achleitner. Manfred Schneider selbst strebt das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden an, das Hermann Strenger aus Altersgründen aufgibt.

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