Wirtschaft : Schwerer Start für ostdeutsche Stromversorger

BERLIN (dr).Die ostdeutsche Strominustrie befindet sich angesichts des beginnenden Wettbewerbs in einer schwierigen Ausgangslage.Zu diesem Schluß kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Berlin, in seinem jüngsten Wochenbericht.Deshalb könnten die höheren Strompreise in den neuen Ländern nur unter beachtlichen Anstrengungen gesenkt werden, warnen die Wissenschaftler.Die Ankündigung der Berliner Veag, ostdeutschen Stromkunden noch in diesem Jahr weitere Preisnachlässe einzuräumen, zeige aber, daß der Wettbewerb eine solche Entwicklung erzwinge.

Die Veag hatte mitgeteilt, sie wolle spätestens 2003 das niedrigere westdeutsche Preisniveau erreichen.Mit der kürzlich angekündigten Senkung der Industriestrompreise um eine dreistellige Millionensumme habe man ohne große Ankündigung schon rückwirkend zum 1.Juli in Gesprächen mit kleineren Industriekunden und regionalen Versorgern begonnen.Nach ihren Angaben liegen die ostdeutschen Preise im Schnitt einen Pfennig oder sechs Prozent über dem Westniveau.

Die Kraftwerkskapazitäten in Ostdeutschland dürften aber trotz erheblicher Leistungsreduzierungen in den vergangenen Jahren zumindest mittelfristig größer sein als es dem dortigen Bedarf entspreche, führt das DIW weiter aus.Daher seien auch Stromlieferungen nach Westdeutschland und ins Ausland notwendig, um die Kapazitäten besser auslasten zu können.Die ostdeutschen Stromversorger seien auch deshalb in einer schwierigen Ausgangslage, weil sie nicht - wie ihre Konkurrenten im In- und Ausland über Jahrzehnte hinweg - Kapitalreserven anlegen konnten.

Ein weiteres Problem machen die Berliner Wissenschaftler an der Eigentümerstruktur fest.Da etwa die Veag mehrheitlich großen westlichen Stromkonzernen gehöre, würde diese die für den überregionalen Wettbewerb mit dem Energiewirtschaftsgesetz geschaffenen Möglichkeiten vermutlich nicht sehr engagiert nutzen.Auf der anderen Seite könnte aber Konkurrenz aus dem skandinavischen Raum erwachsen.Die dortigen Versorgungsunternehmen hätten auf ihren Heimatmärkten bereits Erfahrungen mit dem Wettbewerb gesammelt.Diese Unternehmen hätten Aktivitäten im Stromhandel aufgenommen und planten etwa bis zum Jahr 2003 Kraftwerke in Lubmin bei Greifswald in Betrieb zu nehmen.

Soweit die Rahmenbedingungen für die ostdeutsche Stromversorgung nicht grundlegend verändert würden, dürften die Stromlieferungen von Ost- nach Westdeutschland und Berlin zumindest bis zum Jahre 2003 eher gering ausfallen.Die Kapazitäten in den neuen Ländern könnten damit nicht voll genutzt werden.Die Sonderregelungen für die Stromversorgung sollten deshalb nach Meinung des DIW nach dem Jahre 2003 abgeschafft beziehungsweise durch Strukturen ersetzt werden, die einen fairen überregionalen Wettbewerb auf dem internationalen Strommarkt ermöglichen würden.

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