Wirtschaft : Schwierige Situation bei Lufthansa

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Berlin/Frankfurt (Main) (ro/mo). Die Situation bei Lufthansa ist schwieriger als bislang angenommen. Ohne drastische Kostensenkungen ist im Passagiergeschäft nach Einschätzung der Konzernführung "jeder vierte bis fünfte Arbeitsplatz" gefährdet. Die Lage sei dramatischer, "als wir selber noch vor Wochen erwartet haben und sie wird zunehmend kritischer", sagte Vorstand Wolfgang Mayrhuber der am Freitag erschienenen Zeitschrift für Lufthansa-Mitarbeiter. Die neue Ausgabe des "Lufthanseat" erreichte die Belegschaft unmittelbar vor Beginn der ersten Spitzengesprächs zwischen Vertretern des Konzerns, der Gewerkschaft Verdi und der Pilotenvereinigung Cockpit. Das Treffen, das angesetzt war, um über notwendige Sparmaßnahmen zu verhandeln, wurde bereits am Mittag ohne Ergebnis beendet. Die Gesprächspartner vertagten sich ohne festen neuen Termin, hieß es bei der Vereinigung Cockpit. Lufthansa-Chef Jürgen Weber hatte unter anderem vorgeschlagen, die Vier-Tage-Woche bei entsprechendem Lohnverzicht einzuführen.

Die Luftfahrtindustrie erlebe seit den Anschlägen vom 11. September und angesichts der ohnehin schlechten Konjunktur einen "senkrechten Absturz", sagte Mayrhuber. Allein durch den verstärkten Umstieg der Fluggäste von der Business- in die Economy-Class werde bei der Lufthansa zur Zeit täglich ein Geldwert vernichtet, der 60 Jahresarbeitsplätzen entspreche. "Das ist eine unvorstellbare Größe", sagte der für den Bereich Passage zuständige Vorstand.

Mayrhuber betonte den Willen des Konzerns, die Krise ohne betriebsbedingte Kündigungen zu überstehen. "Wir wollten uns nicht in den Reigen undifferenzierter Entlassungsankündiger einreihen." Man bleibe bei der Aussage, "zusammen mit den Tarifpartnern zu versuchen, Modelle zur deutlichen Begrenzung der Personalkosten zu vereinbaren." Dies geschehe in der Erwartung, dass der Einbruch irgendwann wieder durch erhöhten Reisebedarf ausgeglichen wird. Ohne eine Vier-Tage-Woche oder andere flexible Arbeitszeitregeln seien betriebsbedingte Kündigungen bei der Lufthansa gleichwohl unvermeidlich, stellte Mayrhuber am Donnerstag abend in Berlin klar. Die Gewerkschaften hätten sich aber gesprächsbereit gezeigt.

Seit den Anschlägen in den USA am 11. September ist das Passagieraufkommen von Lufthansa um 30 Prozent gesunken, die Einnahmen gingen um 20 Prozent zurück. "Wir nehmen pro Woche rund 50 Millionen Euro weniger ein als vor dem 11. September", sagte Mayrhuber. Er äußerte sich skeptisch über die Chance der Lufthansa in diesem Jahr noch einen Gewinn auszuweisen. "Das wird zunehmend schwieriger." Täglich buchten etwa 30 000 Passagiere weniger bei Lufthansa als vor dem 11. September. Auf der Nordatlantikroute gebe es ein Minus von 38 Prozent. 28 Flugzeuge würden nicht eingesetzt und das Frachtgeschäft sei schon vor den Anschlägen drastisch geschrumpft. Wegen der unmittelbaren Folgen der Anschläge hat Lufthansa in den ersten Tagen nach dem 11. September einen Verlust von 180 Millionen Euro erlitten. Die EU hat den einzelnen Mitgliedsstaaten freie Hand gegeben, diese Verluste auszugleichen. Mayrhuber sagte, die Bundesregierung zeige sich gesprächsbereit. Er rechne aber nicht mit dem Ersatz der gesamten 180 Millionen Euro.

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