Wirtschaft : Schwierige Zeiten für Microsoft

SEATTLE (rtr). Der Finanzvorstand des Softwareriesen Microsoft, Greg Maffei, rechnet für das kommende Geschäftsjahr mit schneller wachsenden Einkünften als im gerade (1. Juli) begonnenen Geschäftsjahr 1999/2000. Mit dieser Äußerung überraschte Maffei auf der jährlichen Analystenkonferenz am Donnerstag in Seattle offenbar andere Mitglieder der Unternehmensführung. Sein Chef Bill Gates spaßte: "Stellt das Mikrofon ab." Microsoft-Manager Steve Ballmer erklärte, er stimme mit Maffeis Prognose nicht überein. Es werde sehr schwierig für Microsoft, sein Wachstum beizubehalten oder sogar noch zu verstärken. Analysten sagten unterdessen einen Umsatzanstieg von 25 Prozent voraus.Maffei erklärte, im laufenden Jahr würden die Umsätze um weniger als 20 Prozent steigen, während sie im Vorjahr noch um 29 Prozent zugelegt hatten. Microsoft hatte erst am Montag seinen Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 1998/99 vorgelegt, in dem es den Umsatz auf 19,75 (Vorjahr 15,26) Mrd. Dollar erhöhte. Der Gewinn je Aktie war um 69 Prozent auf 1,42 Dollar gestiegen.Zahlreiche Manager des Unternehmens warnten vor Unsicherheiten im laufenden Jahr und prognostizierten beim Umsatz mit Personalcomputern ein langsameres Wachstum. Vor allem der für seine vorsichtigen Prognosen bekannte Ballmer warnte, daß die hohen Erwartungen "seltsam und verrückt" seien. "Wir haben mehr Konkurrenz als je zuvor." Windows2000, das Nachfolgebetriebssystem für Windows NT, soll Ende 1999 auf den Markt kommen. Maffei räumte ein, daß viele Unternehmenskunden das neue System voraussichtlich nur zögerlich annehmen würden. Für den Umsatz bedeute dies einen relativ geringen Anstieg.Weiter sagte er, im Management gebe es Uneinigkeit über einen mögliche zweite Microsoft-Aktie, die die Bedeutung der Internet-Beteiligungen reflektieren würde. Microsoft sehe in Investitionen im Kabelfernsehen und in Telekommunikations-Unternehmen eine "große Chance", erklärte Maffei. Das Unternehmen hatte kürzlich fünf Mrd. Dollar in AT&T Corp. investiert. Ob Microsoft nochmals ähnlich hohe Summen aufbringe, sei nicht sicher. Gates sagte, daß die Telekommunikation eine gute Investition für Microsoft wäre. Dieses Engagement sei aber vor allem passiv und ziele auf die Entwicklung von Internet-Verbindungen ab.

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