Wirtschaft : Schwieriger Berufseinstieg: Nach der Ausbildung arbeitslos

csp

"Ausbildung geht vor Übernahme, aus Verantwortung für die Region." Das sagt Ina Ruhland von der BASF Schwarzheide. Dort werden 60 bis 90 Prozent der Azubis, die alle in traditionellen Berufen wie Chemikant oder Industriemechaniker ausgebildet werden, übernommen. Ganz anders die Situation bei Sachsenring Automobiltechnik in Zwickau, wo alle Lehrlinge übernommen werden. Immerhin stehen dort rund fünf Prozent der 1900 Mitarbeiter in Ausbildung. Wie die jüngsten Statistiken der Bundesanstalt für Arbeit (BA) belegen, ist gerade in Ostdeutschland die Zahl der Arbeitssuchenden unter 25 Jahren gestiegen. Dafür seien sowohl die aktuelle Wirtschaftslage als auch die Arbeitsmarktmaßnahmen der 90er Jahre verantwortlich, erläutert BA-Sprecher Eberhard Mann. Von der guten Konjunktur profitierten zwar junge Arbeitssuchende - aber derzeit nur in Westdeutschland. Hinzu komme, dass der natürliche Generationenwechsel in den Ost-Betrieben vorverlegt wurde. Jüngere Arbeitnehmer könnten deshalb jetzt nicht die Jobs von älteren übernehmen, weil diese schon vor einigen Jahren vorzeitig in den Ruhestand geschickt wurden, erläutert Mann.

Auch dem öffentlichen Dienst geht es nicht sonderlich gut. Eberhard Buckow aus dem Referat Ausbildung des Berliner Senats, nennt als Beispiel die Ausbildung im so genannten nichttechnischen Dienst. Während vor einigen Jahren noch alle Staatsdiener nach ihrer Lehrzeit übernommen wurden, müssen sie heute eine Abschlussnote von mindestens 2,99 vorweisen. Übernahmegarantien gibt es nicht. Buckow: "Wir bilden bewusst über Bedarf aus." So werden Kaufleute für Bürokommunikation nur für andere Betriebe ausgebildet.

Dass die Jugendarbeitslosigkeit im Osten steigt, während sie im Westen sinkt, liegt kaum an der Flexibilität. Ein Sprecher von Vaillant aus Remscheid wie auch ein Telekom-Vertreter aus Bonn bestätigen, dass sich auffallend viele Jugendliche aus dem Osten im Westen bewerben. Der BA zufolge wurden 1999 48 Prozent aller Azubis im Osten von ihren Firmen übernommen, zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Westen lag die Quote 1999 bei 60 Prozent.

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