Wirtschaft : Schwieriges Heimspiel

Erstmals findet die SAP-Hauptversammlung in der Mannheimer SAP-Eishockeyarena statt

Jens Koenen,Kora-Cora Krause

Mannheim - Die Sicherheitsbeamten sind fix. Lange Schlangen vor den Halleneingängen wie in früheren Jahren? Fehlanzeige. Die sonst bei großen Aktionärstreffen übliche Hektik – sie kann bei dem riesigen Platz gar nicht erst aufkommen. Erstmals findet das Treffen der SAP-Anteilseigner in der von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp finanzierten Mannheimer SAP-Arena statt. Und dort, wo sonst die Eishockeymannschaft der Mannheimer Adler um den Sieg spielt, fühlen sich die 4000 Aktionäre sichtlich wohl. „Die SAP-HV gehört in die SAP-Arena. Das ist ein Heimspiel, das sie nur gewinnen können“, sagt Jella Benner-Heinacher, die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Doch das ist es dann auch schon mit dem Lob. Der restliche Vortrag der Aktionärsvertreterin fällt deutlich kühler aus. Es ist der müde Aktienkurs, der die Stimmung der Anteilseigner trübt. Zwar legt der Kurs am Dienstag um gut ein Prozent zu, während die Aktionäre dem Vorstand ihr Leid klagen. Mit knapp 35,50 Euro ist das Papier aber deutlich weniger wert als Ende 2006, als es noch gut 40 Euro kostete. „35 Euro, das ist doch nicht der echte Wert der SAP-Aktie. 50 Euro, das ist das, was wir uns vorstellen“, erklärt Beller-Heinacher. Sollte die Aktie weiterhin so „flügellahm bleiben“, müsste im Gegenzug eben die Dividende steigen.

„Sie können mit diesem Kursverlauf nicht zufrieden sein. Wir sind es auch nicht“, räumt Henning Kagermann ein. Der Vorstandschef von SAP versucht gut Wetter zu machen. „Wir sind überzeugt, dass ihre Investition in SAP eine gute Entscheidung ist und bald wieder deutlich bessere Früchte tragen wird.“

Zudem werde der Blick auf die SAP-Zahlen durch die Währungseffekte verzerrt. SAP bilanziert im Gegensatz zu sämtlichen Rivalen nicht in US-Dollar, sondern im zuletzt massiv gestiegenen Euro. Würde SAP in Dollar berichten, wäre der Produktumsatz um rund 24 Prozent gestiegen. „Zum Vergleich: Die Bezugsgruppe aus 25 anderen Anbietern ist im gleichen Zeitraum lediglich um 15 Prozent gewachsen“, sagte Kagermann.

Auch die milliardenschwere Übernahme des US-Softwareanbieters Business Objects (BO) beschäftigt die Anteilseigner. „Strategisch ist ein solcher Kauf sicherlich richtig. Die Frage ist, ob das auch auf den Kaufpreis zutrifft“, sagt Beller-Heinacher von der DSW mit Blick auf die 4,8 Milliarden Euro. Vor allem der hohe Goodwill, Ausdruck des immateriellen Firmenwertes inklusive solcher Faktoren wie etwa das Markenimage, ließe Fragen offen. Kagermann mag diese Skepsis nicht teilen. „Wir haben eine gute Firma gekauft“, kontert er.

BO ist ein Anbieter von Programmen, mit denen Unternehmensdaten ausgewertet werden können. Mit dieser sogenannten Business-Intelligence-Software können unter anderem Prognosen erstellt werden. „Mit dem Kauf des Marktführers reagieren wir auf einen Trend im globalen Wirtschaftsleben“, sagt Kagermann.

Für Beller-Heinacher von der DSW markiert der größte Zukauf in der Firmengeschichte dennoch einen Wandel bei SAP, ebenso wie die stärkere Ausrichtung auf die Profitabilität. Vorstandschef Kagermann hatte bei SAP bisher vor allem auf Wachstum beim Umsatz und beim Marktanteil gesetzt. Sein designierter Nachfolger Leo Apotheker, der die Geschäfte offiziell im Mai nächsten Jahres übernimmt, will den Konzern dagegen stärker auf Marge trimmen.

„Es ist fraglich, ob der Wandel gelingen wird“, mahnt Beller-Heinacher. SAP-Chef Kagermann sieht keinen Gegensatz: „Umsatzwachstum und Marktanteile sind nur eine Seite des Erfolgs. Sie müssen auch profitabel erwirtschaftet werden, um entsprechende Gewinne zu erzielen.“ Es gebe keinen Grund, „weshalb SAP nicht über die Jahre eine bereinigte operative Marge von 35 Prozent erreichen sollte.“ Derzeit erreicht SAP einen Wert von 26,7 Prozent.

SAP ist ein Anbieter von Software für mittelständische Unternehmen. Dennoch scheuen viele Unternehmen den Aufwand, die Programme der Walldorfer zu installieren. Deshalb hat SAP ein neues Produkt entwickelt. Mit „Business By Design“ könnten Firmen die Software über das Internet nutzen. Allerdings gibt es technische Probleme mit der Leistungsfähigkeit des Netzes. Zudem ist das Programm derzeit noch zu teuer im Betrieb. Deshalb wurde die Markteinführung erst einmal verschoben. HB

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