Wirtschaft : Seagram Company: Unterhaltungs- und Getränkekonzern steht zum Verkauf

Die britische Getränkekonzern Diageo und sein französischer Partner Pernod-Ricard SA stehen vor dem Kauf der Getränkesparte des kanadischen Unterhaltungs- und Getränkekonzerns Seagram Company für 8,2 Milliarden Dollar oder umgerechnet fast 18 Milliarden Mark. Das Abkommen könnte noch am Montag unterzeichnet und am Dienstag bekannt gegeben werden, berichtet die "New York Times" am Montag in ihrer elektronischen Ausgabe. Noch im Laufe des Tages werde der Kauf in New York perfekt gemacht, meldete auch die Pariser Wirtschaftszeitung "Tribune" in ihrer Montagsausgabe.

Zu den Seagram-Alkoholika gehören zahlreiche bekannte Marken, etwa die Whisky-Sorten Chivas Regal und Crown Royal, der Rum Captain Morgan sowie die Cognac-Marke Martell.

Verzögerungen in letzter Minute seien allerdings möglich, schreibt die "New York Times". Seagram habe vergeblich versucht, das konkurrierende Bieterkonsortium aus Bacardi, Brown-Foreman aus den USA und Vin and Spirit aus Schweden zu einer Aufstockung seines Angebots von knapp acht Milliarden Dollar zu bewegen.

Diageo ist der größte Getränkeanbieter der Welt, weshalb die Wettbewerbsbehörden Vorbehalte haben könnten. Diageo und Pernod-Ricard wollen Seagrams Getränkepalette aufteilen, um die Kartellwächter zu beschwichtigen. Diageo sei an Captain Morgan-Rum und an Crown Royal-Whisky interessiert. Pernod-Ricard wolle sein Whiskygeschäft ausbauen und die meisten Whisky-Marken, darunter Chivas Regal und Glenvilet übernehmen.

Noch offen sind die Vertriebsrechte für Absolut-Wodka. Die Marke gehört der schwedischen Getränkefirma Vin and Spirit und wurde seit 1994 von Seagram vertrieben. Vin and Spirit will den Verkauf der Seagram-Getränkesparte benutzen, um den Vertreiber zu wechseln.

Die Rechte für Captain Morgan Rum sind ebenfalls umstritten. Die britische Getränkefirma Allied Domecq hat sich diese Rechte mit dem Rumhersteller in Puerto Rico gesichert, doch geht Seagram in Puerto Rico gegen die Vereinbarung vor.

Die kanadische Seagram-Gruppe war vor einer Woche unter Auflagen der Wettbewerbshüter im zweitgrößten Medienkonzern der Welt, Vivendi Universal, aufgegangen.

Zu der neuen Gruppe zählen der Vivendi-Konzern und der Pay-TV-Sender Canal Plus aus Frankreich sowie der Film- und Musikkonzern Universal. Auf Druck der Kartellbehörden der Europäischen Union muss Vivendi Universal unter anderem seinen Anteil am britischen Pay-TV-Sender BSkyB verkaufen. Die milliardenschwere Seagram-Alkoholsparte soll abgestoßen werden, um die Schulden des Konzerns zu tilgen.

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