Wirtschaft : Sean Penn erkennt die Macht der Feder

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Es ist Sean Penns Glück, dass seine Fans recht genau wissen, woran sie bei ihm sind. Denn ohne aufmerksames Lesen hätte man die kürzlich veröffentlichte, mehr als viertausend Worte starke Kolumne, die der Schauspieler in der „New York Times“ als Anzeige schaltete, für das Werk von einem dieser Vorstandschefs halten können, die sich von der Presse verleumdet fühlen.

Madonnas ExMann echauffierte sich über „falsche Darstellungen der Medien“, bezichtigte „Kommentarschreiber“ und Sender der Wahrheitsverzerrung, kritisierte eine „Medienlandschaft, die sich hauptsächlich durch Misstrauen, Unehrlichkeit und Zensur auszeichnet, sowie eine Politik, die Entfremdung, Tod und willkürlicher Konsumsucht zuarbeitet“. Huiuiui. Bis auf die Stelle mit der „willkürlichen Konsumsucht“ stimmt das mit dem überein, was irgendein Wall-Street-Boss, der sich über die Berichterstattung nach dem Enron-Skandal aufregt, heimlich in seinen Bart grummelt.

Penn wollte natürlich nicht nur seiner Meinung Ausdruck geben, dass der Irakkrieg ein großer Irrtum gewesen sei. Er wollte auch seine weitergehende Befürchtung äußern, dass der US-Präsident George W. Bush Amerika durch den Sturz Saddam Husseins an den Rand einer Orwellschen Diktatur wie in „1984“ gebracht habe. Das erscheint uns ein wenig überzogen zu sein, aber er hat natürlich ein Recht auf diese Meinung. Wir sind dankbar, dass bisher keine US-Bundesbehörde oder Reform der Wahlkampffinanzierung jenes letzte Forum, das die ungehinderte Äußerung von Ansichten garantiert, zerstören konnte: die Anzeigenwerbung.

Anscheinend befürchtete Penn, dass seinen Ansichten nicht genug Aufmerksamkeit zuteil wurde – oder zumindest nicht die Art von Aufmerksamkeit, die er sich wünschte. Dafür hat er aber das Glück, in einem Land zu leben, in dem es ihm der Markt ermöglicht, seine Meinung öffentlich zu machen. In anderen Ländern hätte er diese Möglichkeit nicht.

Die Werbekolumne kommt als Erinnerung daran gerade recht, dass die kommerzielle Freiheit genauso wichtig für den ersten Zusatz der Verfassung – die freie Meinungsäußerung – ist, wie irgendetwas. In diesem Fall war das Medium, das Penn wählte, wichtiger als der Inhalt seiner Botschaft.

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