SEB-Rückzug : Spanische Bank übernimmt deutsche Kunden

173 Häuser der SEB gehen an die Santander. Sie wird hierzulande die Nummer vier bei Privatkunden

Axel Höpner,Hans G. Nagl

Düsseldorf - Die spanische Bank Santander übernimmt die deutschen Zweigstellen des schwedischen Konkurrenten SEB und avanciert damit in Deutschland zu einer vollwertigen Bank für Privatkunden. 555 Millionen Euro bezahlen die Spanier für 173 Filialen und kommen damit der Hypo-Vereinsbank zuvor, die ebenfalls für die Schweden geboten hatte.

Mit dem Deal verdoppelt die spanische Großbank, hierzulande bisher vor allem für Auto- und Konsumkredite bekannt, ihr deutsches Filialnetz, wie Bankchef Emilio Botín am Montag betonte. Mit nun sieben Millionen Kunden zieht Santander in Deutschland an der ING-Diba vorbei und rangiert künftig hinter Postbank, Commerzbank und Deutscher Bank auf Platz vier.

„Die Übernahme des deutschen Privatkundengeschäfts von SEB eröffnet uns allen ganz neue Möglichkeiten“, heißt es in einem Schreiben von Ulrich Leuschner, Chef der Santander Consumer Bank, an die Mitarbeiter, das dem „Handelsblatt“ vorliegt. Das Institut schaffe so auch den Markteintritt ins Hypotheken- und Wertpapiergeschäft. Leuschner deutet an, der Zukauf sei auch die Reaktion auf das künftig wohl schwächer ausfallende Wachstum bei den Kreditgeschäften. Konzernchef Emilio Botín ergänzte: „Deutschland ist einer der Kernmärkte für Santander.“

Mit den Filialen übernehmen die Spanier auch 2400 Mitarbeiter, für die bis Ende 2011 eine Standort- und Beschäftigungsgarantie besteht. Für die Zeit danach befürchtet Verdi Entlassungen. „Derzeit ist noch vollkommen unklar, was der Verkauf für die betroffenen Beschäftigten bedeutet“, erklärte Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong. Santander habe in der Vergangenheit wenig Rücksicht auf die Interessen der Beschäftigten genommen und sich gegen den Tarifvertrag für das Bankengewerbe gestellt. „Das lässt nichts Gutes ahnen“, sagte Foullong. Nötig sei eine langfristige Arbeitsplatzgarantie. Zu mittelfristigen Stellenstreichungen wollte sich eine Sprecherin der spanischen Bank am Montag nicht äußern.

Die SEB betreut in Deutschland nach eigenen Angaben eine Million Kunden und musste zuletzt herbe Verluste verkraften, allein im vergangenen Jahr 117 Millionen Euro. Dennoch wollen sich die Schweden nicht ganz aus Deutschland zurückziehen. „Dieses Land wird auch künftig ein Kernmarkt sein, in dem die SEB wachsen will“, sagte Landeschef Jan Sinclair am Montag. Künftig wolle man sich auf Firmenkunden konzentrieren. Derzeit betreut die Bank nach eigenen Angaben in Deutschland etwa 1000 Unternehmen.

Axel Höpner/Hans G. Nagl (HB)

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