Wirtschaft : Sechseinhalb Jahre Arbeitskampf - und trotzdem gute Gewinne

US-Baumaschinenhersteller Caterpillar präsentiert trotz des Dauerkonflikts mit Gewerkschaften und Betriebsräten glänzende Bilanzen NEW YORK (pf).Der inzwischen sechseinhalbjährige Arbeitskampf beim amerikanischen Baumaschinenhersteller Caterpillar (Peoria/Illinois) zieht sich weiter hin.Mit überwältigender Mehrheit hat die Belegschaft bei der Urabstimmung am Wochenende einen Tarifvertragsentwurf abgelehnt, auf den sich die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) mit dem Arbeitgeber geeinigt hatte.Damit ist offen, ob der Arbeitskampf überhaupt noch in absehbarer Zeit beigelegt werden kann.Das Unternehmen kann sich in den Verhandlungen allerdings einen langen Atem leisten: Trotz des jahrelangen Unfriedens mit der Belegschaft fährt der Caterpillar-Konzern weiterhin gute Gewinne ein. Die Niederlage der Gewerkschaft könnte künftige Tarifverhandlungen mit dem Management erschweren.Wie will sie Forderungen durchsetzen, wenn der Arbeitgeber weiß, daß die Arbeitnehmer nicht mitmachen, zumal bei Caterpillar trotz mehr als sechs Jahren Streik der Betrieb weitergeht und das Unternehmen Rekordgewinne scheffelt? "Der einzige Legitimitätsanspruch, den die Gewerkschaft jetzt noch erheben kann, ist dafür zu sorgen, daß überhaupt ein Tarifvertrag zustande kommt", sagte Ray Hilgert, Professor für Management an der Washington University in St.Louis und Experte in dem wohl langwierigsten Arbeitskampf der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte: "Ohne das ist die Gewerkschaft ein zahnloser Tiger".Seit 1991, als der erste Streik begann, arbeiten Caterpillar-Arbeiter ohne Tarifvertrag.Im Rahmen des Vertragsentwurfs hätten beide Seiten rechtliche Schritte gegeneinander fallengelassen.Caterpillar hatte im Januar vor dem Obersten Gerichtshof argumentiert, es sei illegal für Arbeitgeber wie Caterpillar, die Gehälter festangestellter Gewerkschaftsfunktionäre zu bezahlen.Verliert die UAW den Fall, müßte sie möglicherweise die Gehälter hunderter Gewerkschaftsfunktionäre bei den drei Autoherstellern General Motors, Ford und Chrysler und anderswo aus der eigenen Kasse zahlen.Anderseits müßte sich Caterpillar gegen mehr als 440 Vorwürfe wegen Verletzung des Arbeitsrechts verteidigen.Die Ablehnung des Vertrags beudeutet weiter, daß der weltgrößte Hersteller von Baumaschinen keine neuen Arbeitskräfte zu niedrigeren Löhnen einstellen kann.Wie Caterpillar am Montag mitteilte, gelten fortan die Arbeitsbedingungen, die nach dem 17 Monate langen Streik im Jahr 1995 gegolten haben. Einer der Gründe für die Ablehnung war war die geplante Amnestie für die 4000 gewerkschaftlich angeschlossener Streikbrecher.Außerdem sollten im Rahmen des neuen Vertrags 50 entlassene Gewerkschaftsmitglieder Schlichtungsverfahren unterworfen werden.Im Urteil der meuternden Arbeiter waren die 50 Arbeiter aber illegal gefeuert worden und hätten deswegen bedingungslos wiedereingestellt werden müssen. Der Vertragsentwurf wurde von 58 Prozent der Teilnehmer an der Urabstimmung niedergeschlagen.Doch viele Arbeiter, die der neue Vertrag einbezogen hätte, blieben der Abstimmung fern, weil nach der UAW-Satzung nur Mitglieder an Urabstimmungen teilnehmen können, die ihre Beiträge bezahlt haben.Caterpillar hat aber seit Beginn des Arbeitskampfes keine Gewerkschaftsbeiträge einbehalten.Als die UAW 1991 gegen Caterpillar den Streik ausrief, nahm sich das Management vor, die mächtigste amerikanische Gewerkschaft durch eine kompromißlose Strategie in die Knie zu zwingen: Caterpillar drohte mit der Einstellung von Ersatzarbeitern, der Streik brach bald darauf zusammen. Wie andere Maschinenbauer hatte Caterpillar wegen der Landwirtschaftskrise in den achziger Jahren hohe Verluste erlitten.Zwei Jahre später rief die UAW erneut zum Kampf auf, nachdem in der Tarifrunde keinerlei Fortschritte erzielt worden waren.Diesmal machte Caterpillar von der Drohung Gebrauch und stellte Ersatzarbeiter ein; die UAW schickte ihre Mitglieder in die Fabriken zurück.Entgültig war der Kampf gegen Caterpillar dann im Dezember 1995 verloren.Die UAW wies ihre Mitglieder erneut an, die Arbeit ohne Tarifvertrag wieder aufzunehmen.Tausende arbeitswilliger Caterpillar-Leute hatten unter Mißachtung der UAW-Weisung die Streikpostenlinien längst überquert.Viele der 13 000 gewerkschaftlich angeschlossenen Arbeiter meckerten, die Gewerkschaft habe den Vertragsentwurf aus reinem Selbsterhaltungstrieb unterschrieben. Insgesamt beschäftigt das 1925 gegründete Unternehmen knapp 55 000 Menschen.Der von den Funktionären ausgehandelten Deal war im Beisein von Schlichtungsbeamten aus Washington am vorletzten Wochenende zustande gekommen.Der Vertrag wäre über sechs statt der üblichen drei Jahre gelaufen.Neuangestellte Arbeiter hätten sich demnach mit weniger Lohn zufrieden geben müssen als der gültige Tarifsatz vorsieht.Die Gewerkschaft, so ein weiteres Verhandlungsergebnis, sollte obendrein die "Streikbrecher" in ihre Ränge zurücknehmen müssen.Der Arbeitgeber war im Gegenzug angehalten, bei der Festlegung der Pension die durch den Streik verloren gegangenen Jahre anzurechnen.Der einzige wirkliche Erfolg der UAW wäre freilich gewesen, daß die Arbeiter wieder unter Vertragsschutz stehen.

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