Wirtschaft : Seehofer ruft zum Stromwechsel auf Eon: Steuern und Abgaben steigen drastisch

Berlin – In die Auseinandersetzung um die hohen Energiepreise hat sich nun auch Verbraucherminister Horst Seehofer eingemischt. Der CSU-Politiker empfahl den Stromkunden, „im Falle einer drohenden Strompreiserhöhung den Anbieter zu wechseln“. Für viele Haushalte hätten sich die Kosten für Gas und Strom zur „zweiten Miete“ entwickelt, klagte Seehofer und äußerte in dem Zusammenhang Verständnis für seinen Parteikollegen und Wirtschaftsminister Michael Glos, der das Kartellrecht verschärfen will, um Preiserhöhungen zu erschweren. Der Vorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, regte an, den Energiekonzernen die Kontrolle über die Netze zu nehmen. Obwohl die Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde die Durchleitungsgebühren genehmigen muss und bereits Gebührensenkungen verordnet hat, bedienten sich die Konzerne noch immer „überaus üppig“ bei den Gebühren, sagte Bütikofer der Netzzeitung.

Die aktuelle Debatte hatte Marktführer Eon mit der Ankündigung von Preiserhöhungen um bis zu zehn Prozent ausgelöst. Eon-Chef Wulf Bernotat verwies dabei als Begründung auf die höheren Kosten für Primärenergie, also Öl, Gas und Kohle, sowie auf Steuern und Abgaben, die den Strompreis in den letzten zehn Jahren nach oben getrieben hätten. Nach Angaben von Eon lagen die jährlichen Stromkosten für einen Haushalt, der 3500 Kilowattstunden verbraucht, 1998 bei 599 Euro. Davon gingen 451 Euro auf das Konto der Stromkonzerne, und zwar für die Erzeugung, den Netzbetrieb und schließlich den Vertrieb. Auf den Staat entfielen 148 Euro oder 24,7 Prozent.

Heute, also im laufenden Jahr, habe derselbe Haushalt 712 Euro zu zahlen, wovon wiederum 286 Euro oder rund 40 Prozent beim Staat landeten, und zwar für die Strom- und Mehrwertsteuer, das Erneuerbare Energiengesetz und die Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Konzessionsabgabe für die Nutzung öffentlichen Raumes. Bei einem Kilowattstundenpreis von 19,5 Cent entfielen 13,8 Prozent auf die Mehrwertsteuer, 10,5 Prozent auf die Stromsteuer und gut neun Prozent auf die Konzessionsabgabe, rechnet Bernotat vor. alf

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