Wirtschaft : Sei geküsst, Geschäftsfreund

Tewe Pannier

Die Deutschen sind in Arabien bekannt dafür, sofort zur Sache zu kommen. Zackzack, strammer Handschlag mit ausgestrecktem Arm, zwei Minuten Smalltalk, dann zum Business. Der Araber will ausführlich plaudern. Nach Familie und Gesundheit fragen. Essen, Kaffee, Havanna genießen. Dann schweigen. Geschäft? Das machen wir beim nächsten Treffen, vielleicht beim übernächsten. So wird aus dem Mann, mit dem man ein Geschäft machen will, ein Freund. Ein Freund, mit dem man vielleicht mal ein Geschäft macht.

Und dann geht es mit dem Küssen los. Da ist der moderne Saudi-Kuss, wie ich ihn von Salim aus Dschidda bekomme: Eine Hand um meine Hüfte, der Oberkörper leicht versteift, seine Wange kurz an meine gepresst. Beim Trennen aus der Umarmung breitet er beide Arme aus, wie beim päpstlichen Segen.

Aufwändiger ist der innige libanesische Dreierschlag. Rechte Hand schüttelt die Rechte des Gegenüber, linke Hand greift dessen rechten Ellenbogen. Jetzt das Kunststück: Die Lippen so gespitzt und verbogen, dass beide Grüßende sich jeweils gleichzeitig auf die Wangen küssen. Und zwar dreimal: Rechts, links, rechts. Das führt beim Zusammentreffen größerer Gruppen befreundeter Männer zu einer Begrüßungszeit von bis zu fünf Minuten.

Ausgeschlossen bleibt der Europäer dagegen vom traditionellen Begrüßungsritual der Golfküstenbewohner. Dabei greifen sich die Herren an beiden Händen und ziehen sich sanft zueinander hin. Die Köpfe bleiben auf engster Distanz kurz stehen, ein tiefer Blick in die Augen. Dann die Überraschung: kurz aber fest berühren sich die Nasenspitzen. Der Nasenkuss!

Am einfachsten ist das Ritual gegenüber vielen Frauen am Golf. Samia, Produktmanagerin im Emirat Scharjah, strecke ich meinen deutschen Arm zur Begrüßung hin. Sie lächelt sehr freundlich und sagt sehr bestimmt: „Ich schüttele keine Hände.“

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

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