Wirtschaft : Seifert rechnet mit den Heuschrecken ab

Ex-Börsenchef veröffentlicht ein Buch über seine Erlebnisse mit Hedge-Fonds

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Ob es Literatur ist, werden die Kritiker noch beurteilen müssen. Gleichwohl haben sich Werner Seifert und der Econ-Verlag für die Vorstellung des Buchs und den ersten Auftritt des früheren Chefs der Deutschen Börse nach seiner Demission vor knapp einem Jahr das vornehme Frankfurter Literaturhaus ausgesucht.

Die vermutlich letzte Wirtschaftspressekonferenz des 57-jährigen Schweizers ist gut besucht: Fast 100 Journalisten, ein Dutzend Fotografen und etliche Kamerateams sind da. Das Buch könnte auch von Vize-Kanzler Franz Müntefering stammen: Heuschrecken zieren den Einband, es geht um die „Invasion der Heuschrecken“ – und darum, wie Hedge-Fonds Seifert aus dem Amt gejagt haben.

Braunes Tweedsakko, schwarzer Rolli und beige Cord-Hose, eine wilde graue Mähne und erkennbar mehr Körperfülle – schon durch sein Äußeres zeigt Seifert, dass er nicht mehr von Stress geplagt wird. Im Süden Irlands führt er jetzt ein angenehmes Leben. Geschätzte zehn Millionen Euro Abfindung sind dabei eine große Hilfe. Der Ex-Börsenchef widmet sich nun voll und ganz seinem neuen Lebensinhalt – der Hammond-Orgel, der Jazzmusik und seiner Band „Jazz X-Change“.

Ob das Buch eine Abrechnung ist? „Ich brauche kein Buch, um meine Unfehlbarkeit zu belegen“, meint Seifert. Unsauber hätten sich die anderen verhalten. Die Hedge-Fonds aus London und Amerika, die sich mit wenigen Anteilen Anfang 2005 bei der Deutschen Börse einkauften, gegen Seiferts Übernahmeplan für die Londoner Börse wetterten und ihn aus dem Amt kegelten.

Aber warum hat er vor einem Jahr nicht gekämpft, wo doch die Heuschrecken bei der Börse in der Minderheit waren? Warum ist er vor der entscheidenden Hauptversammlung zurückgetreten? Seifert verweist auf das Grundproblem deutscher Aktionärstreffen. Es kämen einfach zu wenige. „Dann kaufen fünf große Opponenten aus London Flugtickets, kommen nach Frankfurt und sagen, wo es langgeht.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben