Wirtschaft : Selbst die Brennnessel auspressen

VW kooperiert mit drei Bundesländern beim Anbau von Biomasse

Alfons Frese

Auf dem Acker ist noch viel möglich. „Mit den richtigen Pflanzen lassen sich die Erträge um bis zu 50 Prozent erhöhen“, sagt Konrad Scheffer, Agrarprofessor an der Universität in Kassel. Und sogar mit weniger Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln. Das funktioniert mit dem Zwei-Kulturen-Konzept: Im Herbst wird zum Beispiel Raps gesät und dann im Juni geerntet. Danach kommen Mais oder Sonnenblumen in die Erde, sodass im Ergebnis zweimal im Jahr geerntet werden kann. Und das Beste: Auch Unkraut wird verwertet, wenn aus dem Grünzeug Kraftstoff wird.

Scheffer macht mit beim Projekt „SunFuel“, mit dem Volkswagen und die Bundesländer Hessen, Niedersachsen und Brandenburg den Anbau von Biomasse testen und forcieren wollen. „Statt zwölf Tonnen Ertrag pro Hektar haben wir auf Anhieb 30 Tonnen erzielt“, sagt VW-Projektleiter Wolfgang Steiger. In der Nähe von Wolfsburg, in Uelzen, lässt VW auf zehn Hektar Sonnenblumen und Mais, Hanf und Hirse anbauen. Weitere Versuchsflächen gibt es in Nordhessen und in Brandenburg, wo man sich auf nachwachsende Feldhölzer konzentriert: Weiden, Pappeln oder Rubinien werden gepflanzt, ungefähr nach drei Jahren abgeschnitten und verwertet. Dann sprießen neue Triebe, die wiederum nach drei Jahren geerntet werden.

Der Schwerpunkt des Anbaus liegt in der Uckermark und im Spree-Neiße-Gebiet. Insgesamt wird in Brandenburg an acht Standorten auf 116 Hektar der Anbau von Feldholz getestet. Das Geld dazu – nach Angaben des brandenburgischen Landwirtschaftsministeriums geht es um rund drei Millionen Euro – stammt zum überwiegenden Teil von der EU. Knapp ein Drittel steuert der brandenburgische Steuerzahler bei.

Für den BTL-Kraftstoff (Biomass to Liquid) werden unterschiedliche Biomassen und Anbaumethoden ausprobiert. Das Potenzial, da sind sich die Beteiligten bei VW, in der Wissenschaft und Politik einig, ist enorm. In 25 Jahren könnte der BTL-Anteil am Kraftstoffverbrauch bei 25 Prozent liegen – wenn die Kosten stimmen. VW-Manager Steiger schwebt ein Preis pro Tonne Biomasse von 25 Euro vor. Doch das, meint Agrarwissenschaftler Scheffer, sei unmöglich. Er geht von 60 Euro aus und befürchtet, dass die Industrie künftig Billig-Biomasse aus Osteuropa importiert. Möglich wäre das durchaus, denn als Standort für eine großindustrielle Anlage zur Umwandlung der Biomasse in Kraftstoff kommt laut VW- Manager Steiger Brandenburg in Betracht, kurz vor Polen, in der Nähe von Wasserstraßen.

Steiger zufolge wäre der BTL-Stoff bei einem Ölpreis von 70 Dollar je Barrel schon jetzt rentabel einsetzbar, derzeit liegt der Ölpreis bei 60 Dollar. Die Qualität des BTL-Stoffs ist „exzellent“, freut sich der Automanager. Deshalb sei der Verbrauch beim Einsatz von BTL zehn Prozent geringer als in einem normalen Diesel.

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