Wirtschaft : Selbstauflösung auf Raten (Kommentar)

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Die Post befindet sich auf dem Feldzug gegen ihre eigene Kundschaft. Noch in diesem Sommer will sie das Porto für Briefe und Postkarten erhöhen. Auf den ersten Blick ist die Begründung des Staatsunternehmens schlüssig: Deutsche und europäische Gerichte haben die Post dazu verdammt, ihren Beschäftigten rückwirkend Betriebsrenten zu zahlen. Außerdem verschlingt die Renovierung der Postschalter Milliardenbeträge. Eine solche Kostenlawine kann auch ein Mammutkonzern wie die Post nicht einfach wegstecken. Was liegt näher, als an der Preisschraube zu drehen? Tatsächlich folgt die Post aber einem Monopolreflex, der sich rächen wird. Denn nicht nur die Unternehmen mit hohen Portokosten werden sich jetzt noch schneller nach Ausweichlösungen umsehen, ihre Korrespondenz über europäische Nachbarstaaten abwickeln oder die elektronische Kommunikation mit Kunden und Lieferanten ausbauen. Auch die Wettbewerber werden lauter als bisher das Ende des Briefmonopols der Post fordern. Und noch mehr Privat-Kunden der Post werden sich fragen, wieso man eigentlich noch Briefe schreiben soll, wo das Telefonieren und Mailen doch immer bequemer wird. Am Ende werden dann in ein paar Monaten auch die Anleger zweifeln, ob man von Aktien eines Unternehmens, das so wenig unternehmerisch handelt wie die Post, nicht besser die Finger lässt.

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