Wirtschaft : Selbstbewusste Sparkassen

Das Ende der Staatsgarantien im Jahr 2005 schreckt die Finanzgruppe nicht

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Seit dem Sparkassentag Anfang Mai geben sich die öffentlichrechtlichen Kreditinstitute selbstbewusst wie selten zuvor. Die Sparkassen, so formuliert es der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), seien ein „unverzichtbarer Bestandteil des deutschen Bankensystems“. Und der Präsident des DSGV, Dietrich Hoppenstedt, ergänzt: „Wir haben 50 Millionen Kunden und sind mit einer Eigenkapitalrendite von elf Prozent vor Steuern die betriebswirtschaftlich erfolgreichste deutsche Bankengruppe.“

Die Gefahr eines Aufkaufs einer Sparkasse durch eine private Bank scheint derzeit nicht aktuell. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat den Öffentlich-Rechtlichen auf ihrem Verbandstag Rückendeckung gegeben, fast alle Ländern haben ihre Sparkassengesetze so verfasst, dass Sparkassen nicht an private Banken verkauft werden können. Jüngstes Beispiel ist Mecklenburg-Vorpommern, das den Verkauf der Sparkasse Stralsund verhinderte.

Doch Hoppenstedt weiß auch: „Es gibt Wichtigeres zu tun, als ständig über die Rahmenbedingungen zu lamentieren.“ In der Tat, denn die Stunde der Wahrheit für die Sparkassen schlägt spätestens im Juli 2005. Dann fallen die beiden staatlichen Garantien – die Gewährträgerhaftung und die Anstaltslast – weg. Die Gewährträgerhaftung besagt, dass letztlich die Kommune haftet, wenn bei einer Sparkasse die Schulden größer sind als das Vermögen. Die Anstaltslast geht sogar noch weiter. Sie verpflichtet die öffentliche Hand, den Fortbestand der Sparkasse zu garantieren.

Eine mögliche Folge des auf Betreiben der privaten Banken und der EU ergangenen Verbots des staatlichen Ruhepolsters: Die Refinanzierung an den Kapitalmärkten wird spürbar teurer. Die Sparkassen sind nicht mehr so sichere Schuldner, müssen also ab 2005 für Geld, das sie sich an den Kapitalmärkten leihen, höhere Zinsen zahlen. Dies werden vor allem die öffentlich-rechtlichen Landesbanken zu spüren bekommen.

Bedeutet dies das Ende des öffentlich-rechtlichen Systems? Mitnichten, glaubt Hoppenstedt. Allerdings müssen sich die Sparkassen darauf vorbereiten, dass die Konkurrenz mit den privaten Banken härter wird. Der DSGV hat den Instituten deshalb Ziele gesetzt, die bis 2005 erreicht werden müssen: Die Eigenkapitalrendite soll bis dahin auf 15 Prozent steigen, die Cost-Income-Ratio von heute rund 67 Prozent auf unter 60 Prozent sinken. Da heißt: Eine Sparkasse sollte nur noch 60 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen.

Der Wegfall der Staatsgarantien wird zudem weitere Fusionen im Sparkassenlager anstoßen. Schon im Jahr 2003 ist die Zahl der Sparkassen von 519 auf 489 gesunken. Kritiker fürchten eine Ausdünnung des Filialnetzes. Doch Hoppenstedt versichert, es werde keine riesigen Sparkassen fernab der Region geben. Das Regionalprinzip, das vorschreibt, dass sich jede Sparkasse auf eine bestimmte Region konzentriert, werde fortbestehen.

Zusammenschlüsse wird es auch im Bereich der Landesbanken geben. Im Norden haben sich bereits die Landesbanken Hamburg und Kiel zur HSH Nordbank zusammengeschlossen. Den nächsten Schritt erwartet der DSGV bei der Landesbank Rheinland-Pfalz. Doch der Sparkassen-Präsident hat noch ambitioniertere Pläne. „Wir denken nicht im Traum daran, eine zweite Deutsche Bank aufzubauen. Aber wenn die deutsche Volkswirtschaft und die Sparkassen-Finanzgruppe einen Champion aus dem deutschen Markt heraus brauchen, dann stellen wir ihn selbst auf die Beine“, sagte er dem Handelsblatt.

In anderen Bereichen ist der Verbund schon vorangekommen. „Wir wollen die Zusammenarbeit im Verbund ausbauen und zentrale Produktentwickler und -verkäufer schaffen“, sagt eine Sprecherin des DSGV. Als Beispiel nennt sie die Dekabank, die sich um die Investmentfonds der Sparkassen kümmert. Auch die Abrechnung ist effizienter geworden. Inzwischen gibt es nur noch drei zentrale Rechenzentren in Deutschland, „zwei davon gehören zu den fünf größten europäischen“, heißt es beim DSGV.

Sparkassenpräsident Hoppenstedt ist offen für Kooperationen. Mit einem Marktanteil von fast 50 Prozent beim Zahlungsverkehr sei die Sparkassengruppe Marktführer in Europa und damit „der geborene Partner für alle, die hier Kosten senken wollen“.

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