Seltene Rohstoffe : Knappe Rohstoffe als Bremse

Kaum jemand kennt Gallium, Neodym, Indium, Germanium. Deutschlands Industrie braucht diese seltenen Rohstoffe. Doch eine neue Studie warnt: Sie wwerden knapp, weil andere Industrienationen sie bunkern.

Dagmar Dehmer

BerlinBerlin - Die Entwicklung von Zukunftstechnologien könnte durch die Knappheit der dafür benötigten Rohstoffe begrenzt sein. Das geht aus einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie hervor. Professor Rolf Kreibich, wissenschaftlicher Direktor des Berliner Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), nennt Beispiele: Für Brennstoffzellen werden Platin und Scandium gebraucht. Neodym sei ein limitierender Faktor für den Durchbruch von Hybrid- und Elektrofahrzeugen. Die Elektrooptik ist auf Gallium, Germanium und Indium angewiesen. In Dünnschicht-Solarzellen werden Gallium, Indium und Tellur verarbeitet. Die Mikroelektronik greift auf Gallium und Tantal zu.

Das IZT hat gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) für 32 Zukunftstechnologien und 22 seltene Metalle untersucht, wie diese Technologien den Bedarf bis 2030 antreiben. Ergebnis: Besonders bei Gallium, Neodym, Indium, Germanium, Scandium, Platin und Tantal kommt es schon bald zu Engpässen. Indium etwa wird für die Produktion von Flachbildschirmen wie für Dünnschicht-Solarzellen gebraucht. Die Forscher rechnen bis zum Jahr 2030 damit, dass allein die Nachfrage für diese beiden Technologien das 3,3-Fache der Weltproduktion des Jahres 2006 betragen dürfte.

Bei Gallium rechnen sie sogar mit dem mehr als Sechsfachen der heutigen Produktion, beim Neodym mit dem 3,82-Fachen. Dazu kommt, dass gerade diese begehrten Stoffe oft nur in wenigen Länder vorkommen oder die Produktion durch Bergbauunternehmen monopolhafte Züge hat. So liegen 70 Prozent der Indium-Reserven in China. Bei Kobalt, das bei der Produktion von Lithium-Ionen-Batterien zur Stromspeicherung sowie bei der Herstellung von Kraftstoffen aus Biomasse gebraucht wird, kommen 40 Prozent aus der Demokratischen Republik Kongo, in der seit Jahren Konflikte herrschen. 70 Prozent der Lithium-Reserven lagern in Bolivien.

Volker Handke vom IZT wies darauf hin, dass die Europäische Union wie die Bundesrepublik an Rohstoffstrategien arbeiteten, um die Versorgung der Industrie mit seltenen Metallen zu gewährleisten. Allerdings gibt es nicht allzu viele Handlungsmöglichkeiten. Handke fordert mehr Transparenz im Markt. Es gebe zu wenig Information über Verwendung und Förderung seltener Metalle. deh

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