Wirtschaft : Senator baut auf seine Aktionäre Sanierungsplan sieht tiefen Kapitalschnitt vor

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Berlin Der Insolvenzverwalter des Berliner Filmproduzenten und -verleihers Senator hofft, die Sanierung des Unternehmens bis Ende September abschließen zu können. Das Interesse „einer ganzen Reihe von Investoren“ aus dem In- und Ausland sei „riesengroß“, sagte Rechtsanwalt Rolf Rattunde am Donnerstag. Es würden Gespräche sowohl mit Unternehmen aus der Branche als auch aus der Finanzwelt geführt. Vor drei Wochen hatte die Londoner Investmentabteilung der Deutschen Bank die Kreditforderung der bisherigen Senator-Gläubiger in Höhe von 168 Millionen Euro übernommen. Die Bank habe ein Option, selbst als Investor aufzutreten, sagte Rattunde.

Die Senator-Aktionäre müssen dem Sanierungsplan des Insolvenzverwalters am kommenden Donnerstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen. Insgesamt zählt Senator mehr als 30000 Anteilseigner, die einen Großteil ihres Kapitals nach dem Absturz der Aktie verloren haben. Rattundes Plan sieht die Entschuldung des Unternehmens vor. 2003 hatte Senator einen Jahresfehlbetrag von 157,3 Millionen Euro ausgewiesen. Das Eigenkapital schmolz auf minus 121,4 Millionen Euro.

Im Rahmen des Insolvenzplanverfahrens soll zunächst das Kapital der Gesellschaft um 90 Prozent herabgesetzt werden. Das bedeutet, dass zehn Senator-Aktien in eine neue Aktie umgetauscht werden. Dies sei für die Aktionäre zwar „ein schmerzlicher Verlust“, räumte Rattunde ein, „der Restwert der Aktien“ werde aber gestärkt, wenn ein Investor das freigewordene Kapital übernehme und frische Mittel zuführe. Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, es gebe offenkundig keine Alternative. „Sonst bleibt für uns gar nichts übrig.“ Das Risiko, dass sich anschließend doch kein Investor finde, sei aber nicht zu unterschätzen.

Rattunde will nach Abschluss der Sanierung auch mögliche Schadenersatzansprüche der Aktionäre gegen das ehemalige Management prüfen. Aktionäre, die sich geschädigt fühlten, könnten ihre Ansprüche anmelden. Den Gläubigern solle vorgeschlagen werden, entsprechende Mittel in einem Entschädigungstopf vorzuhalten. Die SdK wirft Ex-Vorstandschef Hanno Huth vor, er habe die Firma „heruntergewirtschaftet und Kapital verbrannt“. Huth hatte Senator im Dezember mit dem Hinweis verlassen, er übergebe „ein gut bestelltes Haus“. mot

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