Wirtschaft : Senator meldet Insolvenz an

Überschuldeter Berliner Filmproduzent sucht vergeblich einen Investor/Verhandlungen sollen fortgesetzt werden

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Berlin (mot). Die Berliner Filmfirma Senator Entertainment will am Donnerstag Insolvenz beantragen. Damit ist der Versuch des Vorstands gescheitert, in letzter Minute einen Investor zum Einstieg bei dem überschuldeten Unternehmen zu bewegen. Kurz vor Ablauf der gesetzlichen Frist an diesem Donnerstag gab der Produzent und Verleiher am Abend bekannt, dass sie den Insolvenzantarg am Donnerstag in Berlin stellen werde. „Die Gesellschaft hat in den letzten drei Wochen intensive und konstruktive Verhandlungen mit Banken und Investoren über eine Sanierung und Fortführung des Geschäftsbetriebes geführt“, teilte Senator mit.

Der Antrag erfolge, da innerhalb der gesetzlichen Frist noch keine insolvenzabwendenden Entscheidungen herbeigeführt werden konnten. Der Vorstand werde sich bemühen, die aufgenommenen Verhandlungen gemeinsam mit dem noch zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter fortzuführen, hieß es in der Mitteilung. Vor drei Wochen hatte das Unternehmen bereits mitgeteilt, unerwartet hohe Abschreibungen auf das Filmvermögen und Beteiligungen hätten das Grundkapital in der Bilanz aufgezehrt. Senator hatte im vergangenen Jahr Kinoerfolge mit Filmen wie „Das Wunder von Bern“ und „Good Bye, Lenin!“ gefeiert.

Die Gläubigerbanken BayernLB, DZ Bank, Commerzbank, NordLB und Frankfurter Sparkasse, bei denen Senator dem Vernehmen nach kurzfristig mit rund 190 Millionen Euro verschuldet ist, hatten eine Auffanglösung davon abhängig gemacht, dass der Vorstand einen strategischen Investor präsentiert. Nach Tagesspiegel-Informationen hatte Senator bis zuletzt mit einer im Filmfondsgeschäft aktiven Kommanditgesellschaft verhandelt. Zu einer Einigung kam es jedoch nicht. „Es gibt mehrere nationale und internationale Interessenten mit verschiedenen Konzepten“, sagte ein Unternehmenssprecher. „Wir gehen davon aus, dass wir den richtigen Investor schon gefunden haben“, sagte der Sprecher. Er erwarte nicht, dass es zur Eröffnung des regulären Insolvenzverfahrens kommen müsse. Man werde „sich in den nächsten Wochen“ mit einem Investor einigen.

Mit Senator Entertainment muss erneut ein deutsches Filmunternehmen aufgeben, das einst am Neuen Markt bejubelt wurde. Senator war im Jahr 1999 an die Börse gegangen und hatte mit dem Emissionserlös seine rasante Expansion finanziert. Ex-Vorstand Hanno Huth, der das Unternehmen im Dezember 2003 überraschend verließ, kaufte große – und wie sich später herausstellte – teure Filmpakete in Hollywood ein, beteiligte sich für 87 Millionen Euro an der mit Überkapazitäten kämpfenden Cinemaxx-Kinokette und ging fehlgeschlagene Bündnisse etwa mit dem US-Filmproduzenten Joe Roth („Black Hawk Down“) ein. Glücklicher verlief hingegen die im Oktober 2000 vollzogene Übernahme von 51 Prozent der Anteile an der X Filme Creative Pool GmbH („Lola rennt“). Die Aktie, die zu den Boomzeiten mehr als 34 Euro wert war, lag am Mittwoch nur noch bei 0,39 Euro.

Der Absturz der Aktie verlief parallel zum Niedergang des Neuen Marktes und zur Flaute im Mediengeschäft. Senator-Konkurrenten wie Kinowelt oder Helkon wurden in den vergangenen Jahren in die Insolvenz gerissen. Die Pleite der Kirch-Gruppe versetzte der deutschen Produzenten- und Verleih-Szene einen zusätzlichen Schock. Senator Entertainment kämpfte unterdessen mit hausgemachten Problemen. Filmpakete und Beteiligungen, die sich als weniger werthaltig als geplant erwiesen, mussten in der Bilanz abgeschrieben werden. Der Schuldenberg wuchs. Die Chancen einer Sanierung beurteilen Insider sehr skeptisch. Am interessantesten erscheint noch ein Paket von 400 Filmrechten. Allerdings ist der Wert des Paktes noch ungewiss. Die Summe der Einzelwertberichtigungen sei „bislang weder abschließend geprüft noch mit dem Abschlussprüfer abgestimmt“, hatte Senator im März mitgeteilt. Die Prüfung dauert bis heute an. Im Geschäftsjahr 2003 will Senator aller Voraussicht nach plangemäß zwischen 54 und 57 Millionen Euro Umsatz machen. Der Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen soll zwischen 20 und 24 Millionen Euro betragen. Aussagen über das Jahresergebnis 2003 machte das Unternehmen – die drohende Insolvenz vor Augen – nicht.

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