Wirtschaft : Sendeschluss bei der Kirch-Gruppe

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München (tmh). Mit Insolvenzanträgen für die Kirch-Dachgesellschaft Taurus Holding und den Teilkonzern Kirch Beteiligungen ist das Imperium des 75-jährigen Leo Kirch nun vollends zusammengebrochen. Für beide Gesellschaften sowie eine Tochterfirma von Kirch Beteiligungen haben Kirch-Manager beim Amtsgericht in München wegen Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren beantragt. Damit folgen beide Unternehmen den beiden anderen Teilkonzernen Kirch Media und Kirch PayTV in die Pleite.

Auswirkungen für TV-Zuschauer oder Mitarbeiter hat das vorerst nicht. Beispielsweise werde die Formel 1 weiter ihre Runden drehen, auch wenn mit Kirch Beteiligungen diejenige Dachgesellschaft nun zahlungsunfähig geworden ist, die Kirchs Formel 1-Mehrheit hält, sagte ein Sprecher des Kirch-Sanierungsteams um Wolfgang van Betteray. Personal hätten beide Unternehmen, die nur als juristische Hülsen existieren, ohnehin nicht. Über Taurus hatte Kirch sein Firmenimperium gesteuert. Zu laufenden Versuchen, Teile der nun in ihren Dachgesellschaften komplett insolventen Kirch-Gruppe wiederzubeleben, wollte der Sprecher keine Stellung nehmen.

So hat die Commerzbank nun auch offiziell Interesse an einer Übernahme des Kerns der Kirch Media bekundet, die seit Anfang April zahlungsunfähig ist. Zusammen mit Partnern will das Institut dafür demnächst ein Übernahmeangebot vorlegen, hat Vorstand Wolfgang Hartmann in einem Reuters-Interview erklärt und dabei für sein Haus die Federführung reklamiert.

Als mögliche Partner der Bank dafür gelten die Essener Verlagsgruppe WAZ und das US- Filmstudio Columbia, mit denen aber offenbar keine Einigkeit in allen Fragen besteht. Angeblich beanspruchen auch die Essener eine Führungsrolle. Zudem wollen sie Kirch Media in Teilen als GmbH wiederbeleben, wogegen die Commerzbank eine AG schaffen will. Nur das ermögliche später einen Börsengang, den sein Haus für die Kirch-Nachfolgegesellschaft anstrebe, sagte Hartmann.

„Wir sind offen für weitere Partner und nicht zwingend auf die WAZ-Gruppe angewiesen“, stellte Hartmann klar und nannte den Bauer-Verlag und die Rewe-Gruppe als Alternativen. Wenn die WAZ-Gruppe mitzieht, ist geplant, dass sie sowie die Commerzbank je 40 Prozent der Auffanggesellschaft übernehmen und das US-Studio den Rest. Mittelfristig will die Bank ihren Anteil auf ein Viertel abbauen.

Für Diskussionen dürfte auch noch der Kaufpreis für den profitablen Kern der Kirch Media sorgen, die bislang das Dach für Kirchs werbefinanzierte TV-Sender Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1, den Rechtehandel und die Filmproduktion bildet. Deren Wert liege heute bei 1,8 bis 2,5 Milliarden Euro, sagte Hartmann. Das Kirch-Sanierungsteam um van Betteray taxiert den Wert dagegen auf angeblich fünf Milliarden Euro.

Insider halten es auch noch für möglich, dass Alteigentümer der Kirch Media wie die beiden Medienmogule Rupert Murdoch und Silvio Berlusconi ein Gegenangebot zur geplanten Commerzbank-Offerte vorlegen.

Eine endgültige Entscheidung zur Zukunft des insolventen Teilkonzerns treffe eine Versammlung aller Gläubiger frühestens Ende Juli, schätzte Hartmann. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens für Kirch Media erwartet er für kommende Woche.

Was die Übernahmepläne für die Kirch- Belegschaft bedeutet, lassen alle Interessenten offen. Als wahrscheinlich gilt, dass in die Nachfolgegesellschaft große Teile der Filmproduktion nicht eingehen werden. Ebenso gefährdet ist die Übernahme des Deutschen Sportfernsehens. Mehr Hoffnung macht sich dagegen Kirchs Bezahlsender Premiere, dessen Mutter Kirch PayTV ebenfalls insolvent ist. Der Sender erhalte demnächst von Banken 100 Millionen Euro zur Zwischenfinanzierung, heißt es in Bankenkreisen. Das eröffne eine Chance, neue Investoren an Land zu ziehen. Zum Einstieg bereit stehen angeblich Murdoch und der Bertelsmann-Konzern. Premiere-Chef Georg Kofler hatte zuletzt angekündigt, bis Mitte Juli neue Investoren für den Bezahlsender zu präsentieren.

Beim Ringen um neue Mehrheitsverhältnisse bei Kirch Media rechnet Hartmann nicht mit einem politischen Störfeuer. Bayerns Wirtschaftsminister Wiesheu (CSU) sei an einer sachlichen und konstruktiven Lösung interessiert, sagte Hartmann. WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach war früher Kanzleramtsminister unter Gerhard Schröder (SPD).

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