Wirtschaft : Senioren in den neuen Ländern erhalten deutlich mehr Altersbezüge als westdeutsche Rentner

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Ostdeutsche Rentner haben finanziell stärker von der deutschen Einheit profitiert als Arbeitnehmer. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) in einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Studie. Danach lagen die durchschnittlichen Nettolöhne und -gehälter im Osten 1998 noch um 14 Prozent unter dem westdeutschen Vergleichsbetrag. Die ostdeutschen Durchschnittsrenten lagen dagegen mit drei (Männer) beziehungsweise 35 Prozent (Frauen) bereits deutlich über den westdeutschen Vergleichswerten.

Dies sei vor allem auf die längeren Versicherungszeiten in den neuen Bundesländern zurückzuführen, so die DIW-Wissenschaftler. Allerdings seien in Ostdeutschland nicht nur die Renten, sondern auch die Lebenshaltungskosten stark gestiegen. Insgesamt konnten die ostdeutschen Senioren seit 1990 dennoch "eine beachtliche Zunahme ihres Realeinkommens verbuchen", schreibt das DIW. So bezogen die Rentnerinnen in den neuen Bundesländern im Jahr 1998 durchschnittlich 1160 Mark (Vergleichswert West: 857 Mark). 1990 waren es nur 524 Mark gewesen. Die Renten ostdeutscher Männer stiegen in diesem Zeitraum von 739 auf 1888 Mark (West 1828 Mark).

Bundesweit verfügten Seniorenhaushalte im Durchschnitt über ein Einkommen von 2710 Mark, und damit über lediglich drei Prozent weniger als Arbeitnehmerhaushalte (2790 Mark). Dabei war die Einkommensposition der Pensionärshaushalte (4090 Mark) deutlich besser als die der Haushalte von Sozialversicherungsrentnern (2590 Mark). In der Einkommenshierarchie liegen die Pensionäre damit noch vor den Arbeitnehmern und Rentnern auf dem zweiten Platz. Nur Selbstständige beziehen insgesamt ein höheres Einkommen.

Deutliche Ost-West-Unterschiede zeigen sich nach wie vor in der Vermögensverteilung: So besitzen westdeutsche Rentenhaushalte im Durchschnitt ein Geldvermögen von 57 900 Mark. In den neuen Bundesländern verfügen Senioren dagegen nur über 10 700 Mark. Immobilien besitzen in den neuen Bundesländern 33 Prozent, in den alten Ländern dagegen 48 Prozent der Senioren-Haushalte. Der durchschnittliche Verkehrswert beträgt nach Angaben des DIW 410 000 Mark (West) beziehungsweise 149 000 Mark (Ost). Das Gesamtvermögen deutscher Senioren wird auf 4,4 Billionen Mark geschätzt. Die Zahl der "armen Senioren" nehme stetig ab. Die materielle Lage der Senioren sei deshalb insgesamt als "günstig" zu bezeichnen, bilanziert die DIW-Analyse.

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