Wirtschaft : "Senta Berger und Uschi Glas? Finde ich gut"

Geht Die Post Im Nächsten Herbst An Die B&oum

Post-Chef Zumwinkel über den Aus- und Umbau der Post, den Wettbewerb und die Frage, wie die Postaktie an den Mann gebracht werden soll

Klaus Zumwinkel (55) ist seit 1990 im Vorstand und seit 1995 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG. Bevor er zum Staatsunternehmen kam, war Zumwinkel Unternehmensberater bei McKinsey. 1985 wechselte er zum Versandhaus Quelle. Mit dem Kauf von Speditionen wie dem polnischen Transportriesen Danzas hat Zumwinkel die Internationalisierung der Post vorangetrieben. Im Herbst 2000 will er die Post an die Börse bringen. Mit Zumwinkel sprachen Heike Jahberg und Ursula Weidenfeld.

Geht Die Post Im Nächsten Herbst An Die Börse?

Ja. Wir wollen an die Börse und die Regierung will es auch. Wir stellen derzeit alles zusammen, um im nächsten Jahr unsere Bilanzen nach dem IAS-Standard vorzulegen.

Werden Sie dann sagen, wieviel Geld Ihnen das Briefmonopol einbringt?

Wir werden dann für alle vier Unternehmensbereiche Brief, Paket/Express, Logistik und Finanzdienstleistungen nicht nur die Umsätze, sondern auch die Gewinne getrennt ausweisen.

Welchen Anteil haben die Briefe am Gesamtgeschäft?

Von den 50 Mrd. DM Umsatz, die wir insgesamt machen, entfallen 12 Mrd. DM auf die Briefbeförderung. Das sind rund 25 Prozent. Alle Unternehmensbereiche arbeiten positiv. Bis zum Jahresende werden wir 30 Prozent unseres Umsatzes im Ausland machen.

Es sei denn, die EU-Kommission verbietet Ihnen, andere Geschäftsbereiche über die Gewinne aus dem Briefmonopol zu subventionieren.

Es wird behauptet, die Post mache bei den Briefen Gewinne und im nationalen Paketverkehr Verluste. Das sei eine unerlaubte Beihilfe des Staates. Aber: Die EU-Kommission hat bereits vor drei Jahren beschieden, dass das nicht stimmt. Wir müssen zahlreiche Verpflichtungen erfüllen - flächendeckend Filialen aufrecht erhalten, die Pensionen der Postbeamten bedienen -, wenn man die alle einrechnet, hat die Paketpost schon vor drei Jahren schwarze Zahlen geschrieben. Wir sehen die erneute Prüfung durch die EU-Kommission sehr gelassen.

Wann wird entschieden?

Wir hoffen, möglichst bald. Meine einzige Sorge ist, dass diese Diskussion noch im nächsten Jahr anhält, wenn wir den Prospekt für den Börsengang verfassen.

Sie haben seit Anfang des Jahres Firmen mit einem Umsatz von 10 Mrd. DM hinzugekauft, um sich zu einem universellen Dienstleister zu entwicklen. Die machen viel Umsatz und wenig Gewinn. Wo liegt der Sinn für das Unternehmen Post?

80 bis 85 Prozent unserer Umsätze kommen von den gewerblichen Kunden. Denen reicht es nicht, wenn wir Pakete allein in Deutschland transportieren. Die Kunden verlangen internationale Lösungen. Und sie wollen Lösungen aus einer Hand. So haben wir für Konrad Electronic die Läger übernommen, für Tchibo/Eduscho den Versand - mit EDV, Lagerhaltung und allem, was dazu gehört, für die Telekom die gesamte Logistik. Das ist der Riesentrend der Zukunft.

Kann ein Monopolunternehmen private Konkurrenten ausstechen, die sich schon seit Jahren am Markt bewähren müssen?

Beim Paket stehen wir voll im Wettbewerb, bei allen Tests bekommen wir hervorragende Noten. Pakete innerhalb Deutschlands brauchen im Schnitt 1,1 Tage. Auch beim Brief sind wir Spitze. Unsere Laufzeiten sind die kürzesten in Europa, 95 Prozent der Briefe kommen über Nacht an.

Ihre Briefbeförderung ist schnell, aber teuer.

Nominal gesehen liegt unser Briefporto verglichen mit anderen europäischen Ländern im oberen Drittel. Aber wenn Sie die unterschiedliche Kaufkraft einbeziehen, sieht die Sache anders aus. Im internationalen Kaufkraftvergleich liegen wir mit unseren Preisen im Mittelfeld.

In allen anderen ehemaligen Monopolbereichen fallen die Preise. Nur Sie verkünden es als frohe Botschaft, dass die Porti in den nächsten drei Jahren stabil bleiben.

Im Dienstleistungssektor ist das schon eine enorme Aussage. Wenn Sie versprechen, die Preise stabil zu halten, sagen Sie nichts anderes, als dass Sie alle Lohnsteigerungen durch Produktivitätsverbesserungen auffangen. 72 Prozent unserer Kosten sind Personalkosten. Das ist im Energiebereich oder beim Telefon anders. Wir müssen in diesem Jahr Lohnerhöhungen von 3,1 Prozent verkraften.

Der Privatkunde kommt mit der Post normalerweise am Schalter in Berührung. Wie erklären Sie dem Verbraucher, dass das Unternehmen besser und schneller wird, wenn Sie Filialen schließen oder - wie am vergangenen Donnerstag - die Poststellen wegen Betriebsversammlung geschlossen bleiben?

Filialschließungen wird es auch künftig nur dort geben, wo unzureichende Kundennachfrage besteht. Die Politik hat die Filialzahl vorgegeben, die für die Erfüllung des Infrastrukturauftrags notwendig ist. Daran werden wir uns selbstverständlich halten. Was die Betriebsversammlungen anbelangt, so sind diese zwar rechtlich zulässig, jedoch muss es bei gutem Willen der Betriebsräte und Gewerkschaften nicht zu solch eklatanten Kundenbeeinträchtigungen kommen - bei anderen Filialisten klappt das auch. Die Vorgehensweise verärgert alle umso mehr, da unser Filial-Personal nicht von Entlassungen bedroht ist.

Sie haben im vergangenen Jahr für 4,3 Milliarden Mark die Postbank gekauft, um Ihre Schalter auszulasten. Was nun?

Seit dem 1. Januar gehört die Postbank uns. Und jetzt geben wir Vollgas. Wir wollen, dass die Hälfte unserer Kunden bis zum Ende dieses Jahres in neue Postfilialen gehen können. Das ist ein großes Versprechen, denn wir haben jeden Tag 2,5 Millionen Kunden. Jetzt schaffen wir neue Postfilialen mit SB-Bereich, Kontoauszugsdrucker, Geld- und Briefmarkenautomat, geöffnet rund um die Uhr. Dann kommt der Service-Bereich: Da können Sie am Tresen von morgens acht bis abends acht einfache Geschäfte erledigen, Einschreiben, Auszahlungen vom Sparbuch. Und dann haben wir noch einen dritten Bereich, wo Mitarbeiter der Postbank Kunden in komplizierteren Geldanlagen beraten. Das ist das Konzept unserer Center Filialen. Unser Ziel ist, dass niemand länger als drei Minuten warten muss.

Wieviele Filialen werden zu Center Filialen ausgebaut?

Rund 720.

Und die anderen 11 300?

7000 werden Agenturen in Lebensmittelläden oder Kaufhäusern. Die übrigen sind herkömmliche Postfilialen.

Die Postbank setzt auf das Schalter-Geschäft, das die großen Geschäftsbanken aus Kostengründen einschränken. Sind Sie glücklich mit Ihrer neuen Tochter?

Post und Postbank sind siamesische Zwillinge. Das Privatkundengeschäft erfährt eine ungeheure Renaissance. Die Postbank ist Deutschlands größte Retail-Bank mit dem dichtesten Filialnetz, sie ist mit 2,5 Millionen Kunden Deutschlands größte Direkt- und Internetbank.

Aber sie ist auch die Bank mit dem miserabelsten Ruf und den kleinsten Gewinnen.

Das neue Management hat den Vorteil, das ungeheure Potenzial der Postbank noch voll ausschöpfen zu können. Die Postbank hat heute eine schmale Produktpalette, aber sie ist ungeheuer entwicklungsfähig. Die Postbank hat die DSL-Bank gekauft und steigt jetzt ins Direct Brokerage ein. Es geht also voran. Und das ist auch nötig: Als die Telekom privatisiert wurde, haben wir den Beschäftigten, die Mitarbeiter-Aktien gekauft haben, Vorzugskonditionen für das Depotkonto angeboten. Aber die Postbank hat es nicht geschafft, die Depotsoftware auf die Beine zu stellen. Die Leute sind zur Konkurrenz gegangen.

Hoffentlich macht die Postbank die Sache bei Ihrem Börsengang besser?

Alles andere wäre ein Treppenwitz.

Seit 1990 haben Sie ein Drittel der Arbeitsplätze abgebaut. Wie weit schrumpft die Post noch?

Wenn wir heute noch 379 000 Menschen beschäftigen würden, würden wir 10 Mrd. DM Verlust machen. Aber: Die großen Schübe sind vorbei. Unsere neuen Brief- und Frachtzentren stehen. Jetzt geht es nur noch um die normale Produktivitätsentwicklung.

Wer soll die Post-Aktie kaufen?

Möglichst viele und möglichst viele Kleinaktionäre.

Klaus Zumwinkel (55) ist seit 1990 im Vorstand und seit 1995 Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post AG. Bevor er zum Staatsunternehmen kam, war Zumwinkel Unternehmensberater bei McKinsey. 1985 wechselte er zum Versandhaus Quelle. Mit dem Kauf von Speditionen wie dem polnischen Transportriesen Danzas hat Zumwinkel die Internationalisierung der Post vorangetrieben. Im Herbst 2000 will er die Post an die Börse bringen. Mit Zumwinkel sprachen Heike Jahberg und Ursula Weidenfeld.

Werden Sie die mit Treue- und Bonusaktien ködern?

Auf jeden Fall. Wir werden auch die Mitarbeiter-Aktie viel stärker fördern.

Wie macht man so ein sperriges Thema wie Logistik für den Anleger sexy?

Die Zahlen müssen stimmen, und das tun sie. Wir werden eine hohe Eigenkapitalrendite haben, weil wir mit geringem Kapitaleinsatz fahren. Wir haben zur Zeit ein Eigenkapital von sechs Milliarden. In den nächsten Jahren kommen noch erhebliche Gewinnsteigerungen hinzu. Dem Kleinanleger müssen wir deutlich machen, dass in der globalisierten Welt ein Transportdienstleister das Lebenselixier ist. Sie können noch so viele Fabriken in anderen Ländern aufbauen oder übers Internet bestellen, zum Schluss muss einer die Sachen von A nach B transportieren. Wir haben ein Frachtnetz für 330 Millionen Einwohner in Europa. Aber Sie haben Recht: Wir müssen noch eine Menge Überzeugungsarbeit leisten.

Wie?

Für den Börsengang werden wir uns mit einer mehrstufigen, kraftvollen Kampagne verständlich machen. Ganz sicher wird am Schluss auch eine Figur die Deutsche Post und ihre Leistungen attraktiv verkünden.

Wird Rolf, das Fingermännchen der Postleitzahlenkampagne, helfen?



Wir haben Rolf marktforscherisch getestet. Bei der Einführung der neuen Postleitzahlen hat er uns sehr geholfen. Rolf war eine tolle Figur, voller Witz und Ironie. Aber für einen Börsengang passt er nicht. Rolf wird es nicht sein. Stattdessen werden wir einen echten Menschen als Präsentatoren nehmen - wie es die Telekom mit Manfred Krug vorgemacht hat.

Senta Berger oder Uschi Glas?

Finde ich beide gut.
© 1999

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