Sepa-Umstellung : „Die Firmen unterschätzen den Aufwand“

Forscher Ernst Stahl warnt Unternehmen davor, die Umstellung auf das neue Zahlungssystem zu lange aufzuschieben. Es kann viel schief gehen, sagt er.

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Ernst Stahl (40) ist Forschungsdirektor am Ibi-Institut der Universität Regensburg. Er untersucht, wie Firmen auf die Sepa-Umstellung reagieren.
Ernst Stahl (40) ist Forschungsdirektor am Ibi-Institut der Universität Regensburg. Er untersucht, wie Firmen auf die...Foto: promo

Herr Stahl, warum tun sich viele Firmen mit der Umstellung auf Sepa schwer?

Viele Unternehmen und Vereine unterschätzen den Aufwand. Sie denken: Der Zahlungsverkehr hat immer funktioniert und wird das auch weiterhin tun. Ihnen ist oft nicht bewusst, dass sie kein Geld mehr per Lastschrift mit dem alten, gewohnten Verfahren einziehen können, wenn sie jetzt nichts unternehmen. Zu viele Firmen schieben die Umstellung bis auf den letzten Drücker raus. Doch das ist gefährlich.

Warum?

Die Firmen schaffen es dann eventuell nicht einmal mehr, einen Testlauf zu machen. Dabei kann bei der Umstellung immer etwas schiefgehen. Als einige ostdeutsche Sparkassen zum Beispiel kürzlich testweise ihren Zahlungsverkehr auf Sepa umgestellt haben, sind manche Lastschrift-Daueraufträge doppelt ausgeführt worden. Das wurde dann zwar schnell korrigiert, zeigt aber, dass man die Umstellung nicht unterschätzen sollte.

Was könnte passieren?

Die Unternehmen könnten Zahlungsschwierigkeiten bekommen. Im schlimmsten Fall kann das bis in die Insolvenz führen. Unsere Untersuchungen dazu zeigen: Jedes vierte Unternehmen, das auf die Sepa-Lastschrift angewiesen ist, würde durch fehlende Lastschrifteingänge bereits innerhalb von fünf Tagen ernsthafte Liquiditätsprobleme bekommen.

Warum ist das gerade in Deutschland ein Problem?

Weil hierzulande viel mehr Lastschriften genutzt werden als in anderen Ländern. In unseren Umfragen haben knapp 30 Prozent der mittelgroßen Unternehmen angegeben, dass Zahlungen per Lastschrift 80 Prozent ihres Umsatzes ausmachen. In keinem anderen Land wird die Lastschrift so intensiv genutzt wie bei uns. Viele europäische Länder haben sogar bislang gar kein Lastschriftverfahren, sondern bekommen es jetzt erst mit Sepa.

Macht die Einführung von Sepa denn überhaupt Sinn?

Aus volkswirtschaftlicher Sicht hat Sepa mittel- bis langfristig große Vorteile. Wir bekommen dadurch in Europa eine Zahlungsstruktur, um die uns viele Länder beneiden werden. Auch ist die Umstellung für eine Wirtschaftsunion der einzig richtige Schritt. Wir haben den Euro erst als Buchgeld, dann als Bargeld eingeführt – mit Sepa wird jetzt auch der bargeldlose Zahlungsverkehr europaweit angepasst. Dass das Geld kostet und mit einem hohen Aufwand verbunden ist, steht außer Frage. Aber es wird sich am Ende auszahlen.

Ernst Stahl (40) ist Forschungsdirektor am Ibi-Institut der Universität Regensburg. Er untersucht, wie Firmen auf die Sepa-Umstellung reagieren. Mit ihm sprach Carla Neuhaus.

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