Wirtschaft : Serbien: Der Wiederaufbau des Landes lockt deutsche Unternehmen

Caroline Fetscher

Serbiens Premier Zoran Djindjic sagte es unlängst dem "Spiegel": Sein Land ist pleite. Auf die Ende Juni von der Geberkonferenz in Brüssel versprochenen Millionen warten Serbien und Montenegro bis heute. Gewiss brauchen die beiden letzten Teilrepubliken dieses Geld. Leider auch, so betonen Wirtschaftsfachleute, um rund 13 Milliarden Dollar Auslandsschulden abzutragen. Solche Arbeit im Schuldenbergwerk bringt jedoch keinen einzigen Arbeitsplatz.

Immer stärker setzt sich dieser Tage unter Experten eine Position durch, die bislang als konservativ galt: Investitionen statt Geldgeschenke. Beide Seiten profitieren, beide übernehmen Verantwortung und Arbeitsplätze entstehen. Die Bundesrepublik Deutschland erklärte jetzt ihre Bereitschaft, sich beim Pariser Club für einen Erlass von 67 Prozent der jugoslawischen Schulden einzusetzen.

Die Günter Papenburg AG aus Hannover (Handelsvolumen: vier Milliarden Mark) ist ein Beispiel für Investoren, die Pionierarbeit leisten wollen. In den neuen Bundesländern hat die Gesellschaft seit 1990 Erfahrung mit Privatisierungsprojekten gesammelt: unter anderem mit dem Straßen-, Brücken- und Tiefbaukombinat SBTK in Halle und dem Baggerhersteller Nobas. Heute beschäftigt Papenburg in Ostdeutschland 2000 Mitarbeiter und gehört dort zu den 30 größten westdeutschen Unternehmen. Unerschrocken, wenn es Neuland zu entdecken gilt, engagiert sich Firmengründer Günter Papenburg in Serbien. In der Hauptstadt Belgrad traf er jetzt Zoran Djindjic und präsentierte Experten seine Pläne für Investitionen im Gesamtwert von 500 Millionen Mark. Kernstück soll eine Zementfabrik in der Nähe der Donaustadt Novi Sad sein. Auch Autobahntrassen, eine Umgehungsstraße um Belgrad und ein Baustofflager gehören dazu. "Vieles ist schon konkret geplant", sagte Papenburg, der in Berlin mit der neuen Belgrader Bürgermeisterin Radmila Hrustanovic sprach. Sie registriert ein großes Interesse bei ausländischen Investoren: "Wir haben in Belgrad fast täglich Besuch von Delegationen aus der europäischen Wirtschaft, aus der EU und aus unseren Nachbarländern."

Papenburg ist in Jugoslawien "beeindruckt von der hohen Zahl qualifizierter Arbeitskräfte." Und: "Uns lockt natürlich auch das niedrige Lohnniveau." 140 bis 200 Mark pro Monat kostet eine Arbeitskraft in seiner Branche. Gemeinsam mit der Alas International, einem Konsortium österreichischer Baufirmen, will der Unternehmer den 10 Milliarden schweren französischen Mitbieter Lafargue aus dem Feld schlagen. Die Anbieter setzen auf ihre Erfahrungen im Osten Deutschlands sowie in der Slowakei, Slowenien und Tschechien.

Oliver Stankovic, jugoslawischer Botschaftsrat für Wirtschaft und Handel, kann sich gut vorstellen, dass Firmen wie die Papenburg AG den Zuschlag für Projekte erhalten, denn Osterfahrung zählt: "Aber Serbien hat kein Westdeutschland und keinen Solidaritätszuschlag." Das müsse das Land selbst leisten. "Die Rolle von Westdeutschland", sagt der Unternehmer Papenburg, "spielt der Stabilitätspakt für Südosteuropa."

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