Wirtschaft : Serbische Begehrlichkeiten

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Vier Jahre nach der Bombardierung Serbiens richten Europa und Amerika ihr Augenmerk auf andere Regionen. Doch die Völker des Balkans sind noch etwas länger auf die Aufmerksamkeit des Westens angewiesen. Eine vergangene Woche abgegebene Erklärung der serbischen Regierung zum Kosovo erinnert daran: In ihrer ersten offiziellen Stellungnahme zu der mehrheitlich von Albanern bewohnten Provinz seit 1999 heißt es, man wolle wieder die Kontrolle über das Kosovo übernehmen, versprach den Albanern jedoch „substanzielle Autonomie“. Die Serben behaupten, UN und Nato, die dort die Verantwortung tragen, seien mit ihrem Versuch, eine „demokratische und multiethnische Gesellschaft“ zu etablieren, gescheitert.

Jegliche Entscheidung über die Zukunft des Kosovo wird weder in Belgrad noch in Pristina, der Hauptstadt der Region, getroffen, sondern vom UNSicherheitsrat. Die Regierung in Belgrad hat unnötigerweise Spannungen und Misstrauen geschürt in einer Region, wo die Wunden gerade erst zu heilen beginnen. Und die Serben sind nicht gerade berühmt für ihr Engagement für eine „multiethnische Gesellschaft“. Nationalistische Gefühle bleiben stark, und kein serbischer Politiker will seinen Namen unter eine Vereinbarung zur Loslösung des Kosovo setzen. Doch sind hier noch andere Faktoren im Spiel.

Die Serben arbeiten diesen Herbst eine neue Verfassung aus und müssen das Kosovo berücksichtigen, das streng genommen immer noch eine Provinz Serbiens ist. Ein weiteres neues Gebilde ist aus Jugoslawien hervorgegangen: Serbien und Montenegro. Als Teil einer von der EU ausgehandelten Vereinbarung sollen die beiden Republiken versuchen, für drei Jahre zusammenzubleiben. Die meisten Vermutungen gehen dahin, dass sie danach auseinander brechen werden. Schuld an der Ungewissheit haben die USA und Europa, die vier Jahre lang herumgedruckst haben, das Offensichtliche einzugestehen: Das Kosovo wird nicht wieder unter die Kontrolle Belgrads fallen. Die meisten Serben gestehen das hinter vorgehaltener Hand ein. Statt zu versuchen, künstliche Grenzen zu erhalten, könnten die westlichen Verbündeten Gutes tun, wenn sie diese Länder zielstrebig in die Unabhängigkeit führten und gleichzeitig die Integration in die EU vorantrieben.

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