Wirtschaft : SERIE: ABGESTÜRZT (4): Krupp Stahl war härter

DANIEL RHEE-PIENING

Sein Aufstieg war kometenhaft, sein Ehrgeiz republikweit bekannt: Dieter Hans Vogel, einst Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG.Sein Abschied aus der großen Wirtschaft verlief allerdings fast noch schneller und nicht minder spektakulär.

Vogel wurde 1941 in Eger (Sudetenland) geboren, mußte nach Kriegsende mit seiner Familie fliehen und wuchs in Bayern auf.In München konnte der Diplom-Ingenieur dann seine Promotion mit "summa cum laude" an der TH abschließen.

Über die Technik faßte er auch in der Wirtschaft Fuß.Am 1.Juli 1970 trat es als Vorstandsassistent bei Bertelsmann ein und rückte bis 1974 zum stellvertretenden Vorsitzenden der Geschäftsführung von Mohndruck auf.Doch Vogel wollte führen.Seine nächste Station war der stellvertretende Vorstandsvorsitz bei Pegulan.Nach erfolgreicher Sanierung des Unternehmens ging er zur Thyssen Handelsunion, eröffnete dieser mit dem Einstieg in die Telekommunikation glänzende Perspektiven und wurde schließlich 1990 zum Vorstandsvorsitzenden der Mutter Thyssen AG berufen.

Alles schien nach Plan zu laufen, wäre nicht die Stahlindustrie starken zyklischen Schwankungen unterworfen gewesen und wäre am Horizont nicht ein Konkurrent aufgetaucht.Er hieß Gerhard Cromme und war Chef bei Krupp.Zwar munkelte man, beide seien Brüder im Geiste gewesen, aber auf Dauer ging das nicht gut.Cromme wollte Thyssen - um einiges größer als Krupp - schlucken.Alles schien abgesichert, die Banken standen mit dem nötigen Geld bereit.Nur einer stellte sich quer."Der hat die Straße gegen mich mobilisiert", soll Cromme über seinen Gegenspieler Vogel gesagt haben.Vogel konterte und sprach von "Wildwestmethoden".Doch Cromme steckte nicht auf.Nachdem die Übernahme scheiterte, kam es immerhin zur Kooperation zwischen den Stahlriesen.

So war es am 30.April 1998 um die Karriere des Dieter Vogel geschehen.Seine Kontrahenten profitierten dabei davon, daß mit einer Anklage der Berliner Staatsanwaltschaft wegen angeblicher Untreue im Zusammenhang mit ostdeutschen Geschäften von Thyssen zu rechnen war.Zwischenzeitlich war gegen Vogel sogar ein Haftbefehl erwirkt worden.Zwar hat das Gericht die Anklage bis heute nicht angenommen, doch hatte Vogel gerade im entscheidenden Zeitraum einen wunden Punkt gezeigt.

Doch Vogel wäre nicht Vogel, wenn er aufgesteckt hätte.Zwar verließ er Thyssen, nicht aber seine berufliche und räumliche Umgebung.An der Kö in Düsseldorf mietete er ein 400 Quadratmeter großes Büro und überlegt, als Unternehmensberater tätig zu werden.Von der Nobeladresse aus verwaltet er seine Aufsichtsratsmandate bei ABB, Bertelsmann und der Commerzbank.Aber viel wichtiger erscheint: Von Düsseldorf aus läßt er seine internationalen Kontakte spielen und bleibt als Spitzenmanager im Gespräch."Alles ist noch in der Sondierungsphase", sagt ein Sprecher.Doch Vogel werden gute Chancen auf neue Topjobs eingeräumt.Kommt es dann zu einer Revanche?

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