Wirtschaft : SERIE: AUF DEM WEG ZUM EURO (2)Mitte 1998 die ersten Computertests zum Euro

JOACHIM HOFER

Wie sich die Bankgesellschaft Berlin auf die Währungsunion vorbereitetVON JOACHIM HOFER

BERLIN.Was macht eine Bank, wenn sie einen Teil ihres Geschäftes wegbrechen sieht? Sie setzt eine Strategiegruppe ein und läßt überlegen, wie trotzdem noch Geld verdient werden kann.So geschehen bei der Bankgesellschaft Berlin im Februar 1996.Damals konkretisierten sich die Vorstellungen der Politiker zur Einführung des Euro.Den Bankern wurde rasch klar, daß mit der Währungsunion kein Reisender mehr an die Schalter zu gehen braucht, um D-Mark zu tauschen.Fast noch schlimmer ist, daß auch die mitunter lukrativen Devisentermingeschäfte wegfallen.Doch mit der Erkenntnis fingen die Schwierigkeiten erst an, schließlich galt es vor allem, die EDV auf Vordermann zu bringen.Und noch etwas ­ abseits vom Euro ­ kam auf die Banker zu: Das Kreditinstitut stand zunehmend im kalten Wind des weltweiten Wettbewerbs.Heinz Grimm erinnert sich gut an jenen Februar 1996.Seither verbringt der Chef-Volkswirt der Bankgesellschaft die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Fragen rund um die Euro-Umstellung.Nach anderthalb Jahren steht er mit seinem 20köpfigen Projektteam an der Schwelle zu den Computer-Tests.Mitte kommenden Jahres soll auf den Computern die erste Simulation laufen."Das System muß funktionieren, auch wenn große Datenmengen auf einmal kommen oder viele Kunden online zugreifen", sagt Grimm.Bei allem was Computer betrifft, arbeitet die Bankgesellschaft mit ihrem "strategischen Partner" NordLB zusammen.Bei der Software habe ohnehin Handlungsbedarf bestanden, betont Grimm.Schließlich nahe das Jahr 2000 und damit das hinlänglich bekannte Problem der Systeme mit den Ziffern Null.Die Technik ist freilich nur die eine Seite der Euroumstellung bei der Bankgesellschaft.Als mindestens genauso wichtig betrachtet Grimm die Information der rund 17 000 Mitarbeiter.Die werden schließlich tagtäglich mit den bohrenden Fragen der Kunden zum Euro konfrontiert.Um alle ausreichend und aktuell mit Material zu versorgen, gibt es eine zeitungsähnliche Mitarbeiter-Information, in der die Europawährung in vielen verschiedenen Facetten betrachtet wird.Darüber hinaus hat Grimm und sein Team ein Folder-Konzept entwickelt, das heißt, die Bank-Beschäftigten bekommen einzelne Ordner zu Themen wie "Umstellungsprozedere"."Da wird der Berater beraten und bekommt Hintergrundinfos", so Grimm.Damit ist die hausinterne Informationskampagne aber nicht abgeschlossen: Workshops sollen die Eurokenntnisse vertiefen.Dazu sind Vorgesetzte angehalten, die Fragen ihrer Mitarbeiter zum Euro zu sammeln und an das Euro-Projekt weiterzugeben.Grimms Team entwiêkelt daraus die Themen für die Workshops.Die Infositzungen sollen, so Grimm, nicht den ganzen Arbeitstag einnehmen und stattdessen mehrmals stattfinden.Unter den Beschäftigten hat der Euro-Koordinator "sehr großes Interesse" festgestellt.Die meisten könnten eben noch nicht abschätzen, was der Euro nun bedeutet.Nach den Informationen seien die Banker ruhiger ­ zudem können sie die Euro-Infoline anrufen, die übrigens auch Kunden während der Bankarbeitszeiten offensteht.Noch nicht so ganz absehbar sei, so Grimm, was die Euro-Umstellung die Bankgesellschaft kosten werde.Am Schluß könnten schon 100 Mill.DM zusammenkommen.Die Schätzung sei aber sehr vage und nicht zuletzt davon abhängig, wie lange die Zwei-Währungs-Phase dauere.Wenn im Jahr 2002 die Euro-Scheine und Münzen in die Kassen kämen, dann am besten ohne lange Umstellungszeit.Alleine die Vorgabe, zwei Kassen hinter den Schaltern betreiben zu müssen, sei eine teure Sache.Nicht zu vergessen der Papierverbrauch auf Kontoauszügen, wenn jeder Posten in D-Mark und Euro auftaucht.Nicht alle der dann anfallenden Kosten können die Banken auf die Kunden abwälzen, ist Grimm überzeugt.Der Euro-Experte erwartet mit der neuen Währung auch einen verschärften Wettbewerb durch ausländische Kreditinstitute, die auf den deutschen Markt drängen.Insofern werde der Euro genau zum richtigen Zeitpunkt eingeführt ­ die deutschen Banken würden damit nämlich gezwungen, "ihre Hausaufgaben zu erledigen".

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar