Serie Vermögen und Vorsorge (3): Stiftungen - Vorteil für alle : Mit Stiftungen auf Sinnsuche

Wer stiftet, bindet sein Vermögen fest an einen Zweck. Dass man damit Steuern spart, ist für die meisten Stifter nur eine angenehme Nebensache.

Sabine Hölper
15 Prozent aller Stiftungen in Deutschland haben den Zweck, Kunst und Kultur zu fördern.
15 Prozent aller Stiftungen in Deutschland haben den Zweck, Kunst und Kultur zu fördern.Foto: Mike Wolff

Wenn eine Spitzenköchin, die noch dazu Fernsehköchin ist, eine Stiftung ins Leben ruft, verwundert es nicht, dass die Presse ausführlich darüber berichtet. Doch die Stifterin Sarah Wiener ist eher die Ausnahme. Meist werden Stiftungen recht still und von der Öffentlichkeit unbemerkt gegründet. Getreu dem Motto „Tue Gutes und rede nicht darüber“ kümmern sich die Stifter weniger um PR als um die Probleme in der Gesellschaft. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Befragt nach den Motiven, eine Stiftung zu gründen, antwortete die Mehrheit der Stifter, dass sie ihr Vermögen einsetzen, um „etwas zu bewegen“ oder um „Verantwortungsbewusstsein“ zu zeigen.

Welche Gründe sollten es auch sonst sein, Hunderttausende, wenn nicht Millionen zu stiften? An der Sicherung der eigenen Rente oder der Alimentierung der Nachkommen kann den Stiftern nicht gelegen sein. Schließlich ist das Geld, das sie in eine Stiftung investieren, ein für allemal darin gebunden, oder zu gut Deutsch: weg. Selbst die Erträge, die mit dem Stiftungsvermögen erwirtschaftet werden, darf der Stifter nur zu einem Drittel zur Bestreitung seines Lebensunterhaltes verwenden.

Die Stifter schreckt das nicht ab. Im Gegenteil. In Deutschland existieren 17 372 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts. Hinzu kommen etliche Treuhandstiftungen, die nicht registriert sind. Ihre Anzahl wird auf bis zu 100 000 geschätzt.

Gerade in jüngster Zeit entscheiden sich immer mehr Menschen, ihr Vermögen für gemeinnützige Zwecke einzusetzen. Stiftungen sind geradezu populär geworden. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich ihre Zahl mehr als verdoppelt, alleine im letzten Jahr wurden 914 Stiftungen gegründet. Nach Meinung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen werden es in Zukunft noch mehr werden. Der Berliner Verband prognostiziert, dass es in 30 Jahren drei- bis viermal so viele Stiftungen geben wird wie heute. „Unter den Wohlhabenden wird der Nichtstifter die Ausnahme sein“, sagt Generalsekretär Hans Fleisch.

Der Gesellschaft kann das nur recht sein. Sie profitiert von der Arbeit der Stiftungen. Dafür muss man nicht einmal alt, krank oder anderweitig hilfsbedürftig sein. Denn die Stifter setzen sich zunehmend auch für Belange ein, die jeden jederzeit etwas angehen: Sie investieren in die Kunst, in Bildung, in den Umweltschutz. Damit übernehmen die Stifter auch immer mehr Aufgaben, die ursprünglich der Staat hatte – die dieser aber nicht mehr leisten will oder kann.

Dafür engagiert sich der Staat auf andere Weise. Er schafft Anreize, damit wohlhabende Menschen ihr Vermögen in gemeinnützige Stiftungen anlegen. Zuletzt hat er das wirkungsvoll im Jahr 2007 getan, mit der Verabschiedung des „Gesetzes zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements“. Seither können Stifter 20 statt bisher fünf beziehungsweise zehn Prozent der Einlagen als Spendenabzug geltend machen. Auch die Höhe des erlaubten Sonderausgabenabzugs wurde angehoben. Statt vormals 307 000 Euro können Zuwendungen nun bis zu einer Million Euro über zehn Jahre verteilt abgesetzt werden. Verheiratete können den Betrag im Übrigen doppelt geltend machen. Zu diesen noch recht jungen Steuervorteilen kommen die altbekannten hinzu: Das Übertragen von Vermögen in gemeinnützige Stiftungen ist von der Erbschafts-, beziehungsweise Schenkungssteuer befreit.

Der Staat verteilt aber nicht nur Steuergeschenke. Er hat auch ein paar Regeln aufgestellt, an die die Stifter sich halten müssen: Eine Stiftung bürgerlichen Rechts gilt erst dann als errichtet, wenn die Stiftungsbehörde des Landes, in dem die Stiftung ihren Sitz hat, diese staatlich anerkannt hat. Um die Anerkennung zu erhalten, muss der Stifter das sogenannte Stiftungsgeschäft, also eine Willenserklärung, einreichen. Außerdem bedarf es einer Satzung, in der insbesondere der Stiftungszweck festgeschrieben wird.

Das ist schnell gemacht, könnte man meinen. Doch die Erfahrungen von Karsten Timmer zeichnen ein ganz anderes Bild. „Es ist eine der größten Herausforderungen für den Stifter, den richtigen Stiftungszweck zu finden“, sagt der Geschäftsführer der panta rhei Stiftungsberatung in Mannheim. Viele Stifter täten sich schwer, weil sie den Personenkreis begünstigen wollten, der es am nötigsten habe. „Auf diese Weise kommt man aber nie zu einem Ergebnis“, sagt Timmer. Sinnvoller sei es, sich ein Gebiet auszusuchen, das einem aus persönlichen Gründen am Herzen liegt. Timmer plädiert für eine „Bauchentscheidung“. Ganz ohne den Kopf zu gebrauchen geht es dann aber doch nicht. Schließlich gilt es, einen Stiftungszweck zu formulieren, der weder zu weit noch zu eng gefasst ist. Wer zu vieles fördern will, kann unter Umständen kaum ein Projekt im gebotenen Umfang realisieren. Wer sich zu sehr fokussiert, investiert möglicherweise in eine Idee, die in zwanzig oder hundert Jahren ihre Relevanz verloren hat. Ändern lässt sich der Zweck dann aber nicht mehr. Was einmal festgelegt wurde, muss dauerhaft beibehalten werden. Darüber wachen die Stiftungsbehörden.

Sie reden auch mit, wenn es ums Geld geht. Häufig fordern sie – obwohl das so im Gesetz nicht vorgeschrieben ist – ein Mindestausstattungskapital in Höhe von 25 000 Euro. Stiftungen mit einem geringeren Kapital sind allerdings auch wenig sinnvoll. Da nämlich der Grundsatz gilt, dass das Grundvermögen inflationsbereinigt erhalten bleiben muss, kann der Stifter nur die Erträge für seine Stiftungsaufgaben verwenden. Bei einer durchschnittlichen Rendite von drei, vier Prozent stößt selbst eine Stiftung mit einem Kapital von mehreren 100 000 Euro schnell an ihre Grenzen. Es spricht also einiges dafür, die Stiftung mit ausreichend viel Kapital zu bestücken.

Wer große Teile seines Vermögens stiften will, sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass das seinen Erben nicht unbedingt gefällt. Stirbt der Stifter, bevor die Stiftung zehn Jahre alt ist, können die Erben sogar die Auszahlung von Pflichtteilsergänzungsansprüchen verlangen. Damit gefährden sie im Extremfall die Existenz der Stiftung. „Um solche Folgen zu vermeiden, sollte der Stifter die Erben in die Vermögensnachfolgeplanung einbinden“, rät der Berliner Anwalt Gerald Freund.

Auf der anderen Seite sind Stiftungen aber auch ein geeignetes Instrument, um den Nachlass zu regeln. Das gilt vor allem dann, wenn mehrere Erben vorhanden sind oder wenn der Vermögende seinen Erben nicht traut. Schließlich stellt die Stiftung sicher, dass das Vermögen nach dem Tod des Stifters gemäß seinen Vorstellungen verwendet und nicht – etwa im Zuge von Erbauseinandersetzungen – zerschlagen wird. Daran haben insbesondere Unternehmer ein Interesse, weshalb sie zu den eifrigsten Stiftern gehören. Sie sichern mit der Stiftung nichts Geringeres als den Fortbestand ihrer Firma.

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