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Serverausfall : Telekom-Kunden stundenlang offline

Ein schwerer Serverausfall sorgte bei der Telekom für bundesweite Störungen. Die Verbraucherschutzzentrale rät, entstandene Mehrkosten zu dokumentieren.

Daniel Mosler
Server im neuen Rechenzentrum der Deutschen Telekom in Biere (Sachsen-Anhalt).
Server im neuen Rechenzentrum der Deutschen Telekom in Biere (Sachsen-Anhalt).Foto: dpa

Kein Anschluss unter dieser Nummer: In einem Großteil Deutschlands ist am Freitag stundenlang das Netz der Telekom ausgefallen. Tausende Kunden mussten ab neun Uhr morgens auf Fernsehen, Telefon und Internet verzichten.
Betroffen waren vor allem Telekom-Kunden in Ballungsgebieten wie Berlin, Hamburg, München und dem Ruhrgebiet. Grund für die flächendeckenden Störungen war ersten Informationen zufolge der Ausfall von sogenannten Radius-Servern. Diese authentifizieren Kunden vor der Einwahl ins Internet. Da die Telekom nur schrittweise auf entsprechende Ersatzgeräte umstellen konnte, mussten sich einige Kunden bis zum Abend gedulden, bis die Störung auch bei ihnen behoben war.

Anzahl betroffener Kunden noch immer unklar

Wie das Bonner Unternehmen noch am Freitag mitteilte, waren ab 16 Uhr die meisten Kunden wieder online erreichbar. Die Problemlösung dauerte allerdings noch bis zum Samstag an. Grund war die stufenweise Umstellung der betroffenen Gebiete auf redundante Server, erklärte das Unternehmen. Einen Grund für den massiven Serverausfall hat der Anbieter bislang nicht ausmachen können. Die Telekom konnte auch zum Montag Nachmittag keinerlei Angaben zu der Anzahl der betroffenen Kunden machen. Da die Störung punktuell im gesamten Bundesgebiet auftrat, sei eine regionale Eingrenzung kaum möglich.

Sensible Daten wohl nicht betroffen

Die gute Nachricht: Ein Verlust von sensiblen Daten ist aber offensichtlich nicht zu befürchten. Die Bundesnetzagentur teilte auf Tagesspiegel-Anfrage mit, bislang keine entsprechende Meldung durch die Telekom erhalten zu haben. Man gehe daher von einer betriebstechnischen Störung aus. Bei dem Verdacht von Datendiebstahl durch Dritte sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, die Bonner Behörde über den Vorfall zu informieren.
Was können die Betroffenen tun? Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät Kunden von Internetprovidern, Störungen der eigenen Internetverbindung so schnell wie möglich zu melden. „Nur so behält man sich das Recht vor, später auf Schadensersatz zu klagen“, betont Erich Nolte, Wirtschaftsjurist der Verbraucherzentrale.
Sollte der Ausfall nicht, wie im aktuellen Fall, nach wenigen Stunden behoben sein, sondern zwei Tage oder länger dauern, sollten Kunden ihren Anbietern eine Frist setzen – in der Regel zwischen zwei und drei Wochen. Ist die Störung bis dahin immer noch nicht behoben und nennt der Anbieter auch keinen zeitnahen Termin für eine Lösung des Problems, kann der Kunde auf einer fristlosen Kündigung bestehen, so Nolte weiter. Allerdings muss man eindeutig nachweisen können, dass die Störung durch den Provider verursacht wurde.

Mehrkosten unbedingt dokumentieren

Und was ist mit den Kosten? Etwa weil man durch die Störung die hauseigene Telefon-Flatrate nicht nutzten kann und man daher auf den teureren Handytarif ausweichen muss. „Bei längeren Störungen dürfen Kunden das eigene Handy nutzen und die dadurch entstandenen Mehrkosten vom Internet-Anbieter zurückfordern“, sagt der Verbraucherschützer. Aber auch hier gilt: Nur wer die entstandenen Kosten korrekt dokumentiert, hat die Chance auf Rückerstattung.

Spieler, die online Poker spielen oder auf internationalen Turnieren um Preisgelder spielen, können bei Spielausfällen durch Störungen sogar entgangene Preisgelder von Anbietern einfordern, meint der Jurist. „Oft ist es hier aber schwer zu beweisen, dass man denn auch wirklich das Turnier gewonnen hätte“.
Die klassische Forderung, bereits einzelne Tage ohne Internet von den monatlichen Grundkosten abzuziehen, sei aber nicht praktikabel, dämpft der Verbraucherschützer allzu große Hoffnungen von Kunden: „Man muss den Anbietern schließlich auch das Recht zugestehen, den entstandenen Schaden ausbessern zu können“.

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