Wirtschaft : Sex und Sklaverei

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Der konservative amerikanische Sozialwissenschaftler Irving Kristol scherzte einmal, dass ein amerikanischer Liberaler, der sieht, wie ein 18-jähriges Mädchen Sex auf einer Bühne hat, sich einzig die Frage stellen würde, ob es wohl den Mindestlohn gezahlt bekäme. Doch die Denkweise, die Kristol verspottete, ist nur allzu real und droht heute, Anstrengungen zu untergraben, die gegen den vielleicht ungeheuerlichsten Skandal unserer Zeit gerichtet sind: den globalen Sexhandel mit Frauen und Kindern.

Auf einer von der US-Regierung finanzierten Konferenz attackierte Senatorin Hillary Clinton diesen Handel zu Recht als „als eine moderne Form von Sklaverei“. Trotz der mahnenden Stimmen auf der Konferenz existiert eine ideologische Stimmung, die anstrebt, Händler und Zuhälter von Frauen, die die Prostitution freiwillig ausüben, von der Strafverfolgung auszunehmen. Prostituierte sind demnach lediglich „Sexarbeiterinnen“. Das ist ein Standpunkt, der von einer Koalition von Gläubigen und Feministen entschieden abgelehnt wird. Ihr Argument: Sexhandel ist grundsätzlich ausbeuterisch und wird von Verbrechern und mafiaähnlichen Schleuserbanden dominiert, die Frauen und Mädchen zu sexueller Sklaverei zwingen.

Wenn das US-Außenministerium recht hat, gelangen jedes Jahr rund 50 000 Frauen und Kinder durch Handel oder Schmuggel in die USA, von denen viele für ein Leben in Ausbeutung bestimmt sind. Europäische Länder haben ähnliche Erfahrungen. Dank eines vor zwei Jahren verabschiedeten Anti-Schmuggel-Gesetzes wurden die Strafen für solchen Handel verschärft, und sexuell ausgebeutete Frauen und Kinder können spezielle Visa bekommen. Die Visa ermöglichen es ihnen, ihre Ausbeuter zu melden – ohne die Angst, abgeschoben zu werden.

Das Gesetz beinhaltet eine internationale Anforderung, dass das US-Außenministerium zu melden habe, inwieweit andere Ländie Regeln einhalten: Taucht man in der schlechten Kategorie auf, bedarf es lediglich einer Verfügung des US-Präsidenten, um nicht-humanitäre Hilfen zurückzuhalten. Wie Feministen und Gläubige annehmen, möchte sich kein Präsident in der Situation wiederfinden, einem Land, das vor dem Handel mit Frauen und Kindern die Augen verschließt, eine Ausnahme zu gewähren.

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