"Sexting" : Apple will keine schmutzigen Wörter senden

Ein neuer SMS-Filter soll "anstößige" Textnachrichten unterbinden. Was für die Erfinder von Apple eine Innovation ist, ermöglicht aus Sicht von Kritikern Zensur.

Friedemann Diederichs

Das Patent mit der Nummer 7814163, vom US-Patentamt am Dienstag dieser Woche erteilt, schützt eine Erfindung, die die Techniker des Kommunikations-Giganten Apple in bester Bürokratensprache so bezeichnen: „Textbasierte Kommunikationskontrolle für ein persönliches Kommunikationsgerät.“ In die Praxis übersetzt, dient diese technologische Innovation einem einzigen Zweck: „Anstößige“ Sprache, so formuliert es Apple, zu unterbinden und damit zu verhindern, dass die Nutzer – „absichtlich oder nicht“ – SMS-Nachrichten mit eindeutig sexuellem Bezug senden oder erhalten.

Der Konzern zielt dabei – so stellt es der genehmigte Patentantrag dar – auf das vor allem unter Jugendlichen so beliebte „Sexting“ (Sex und Texting) ab und will unter anderem Eltern künftig die Option geben, bei den mobilen Apple-Geräten aktiven Jugendschutz zu praktizieren. Ist die neue Einstellung im Handy-Menü erst einmal aktiviert, fordert sie den Nutzer beim Entdecken anstößiger Begriffe auf, den Text zu ändern – oder löscht ihn, falls dies verweigert wird. Der Filter soll sogar auf das Alter der Nutzer und ihre Schulreife einstellbar sein und erfasst auch jugendspezifische Jargon-Worte und Abkürzungen.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Patentbehörde Apple den Schutzantrag genehmigt hat. Bis zum Angebot dieser familienfreundlichen Kontrolloption auf dem Markt dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Gründer Steve Jobs setzt damit die Strategie des Unternehmens fort, die Apple-Produkte möglichst „sauber“ zu halten und Applikationen mit eindeutig sexuellen Bezügen zu verbannen. „Wir werden keinesfalls in Richtung Pornografie gehen“, hatte Jobs im Frühjahr diesen Jahres noch einmal betont.

Doch strebt Apple tatsächlich nur nach Jugendschutz? John Dvorak vom PC-Magazin witterte gestern eine ganz andere Motivation: „Bei diesem Patent geht es nicht um Sexting, sondern die Kontrolle politischer Aussagen. Denn Apple möchte ja seine Handys auch im Iran, in China, in Saudi-Arabien und überall dort verkaufen, wo abweichende politische Meinungen als Verbrechen angesehen werden.“

Der populäre Technologie-Blog Gawker wagt die Prognose, dass die geplanten SMS-Kontrollfunktionen weitgehend nutzlos sein werden. „Teenager sind so dumm und unmotiviert, dass sie niemals einen Weg finden werden, diese Blockaden zu umgehen“, heißt es in dem Blog sarkastisch. Das Patent basiere deshalb vermutlich auf anderen Motiven, meint der Autor – wohl auch mit Seitenblick auf eine weltweite Vermarktung der Apple-Produkte.

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