Sharing Economy : Wie Verbraucher Elektrogeräte leihen können

Ob Waschmaschine oder Beamer - jetzt können Verbraucher auch Elektrogeräte bei namhaften Händlern ausleihen. Das Mietprinzip lohnt sich aber nicht für jeden.

Mona Linke
Teilen statt Kaufen: Jetzt reagieren auch Elektronikhändler auf den Trend.
Teilen statt Kaufen: Jetzt reagieren auch Elektronikhändler auf den Trend.Foto: R/D

Unter dem Slogan „Miet mich“ steigt nun auch die Elektronikkette Media-Saturn in das Leihgeschäft ein: Die Xbox One gibt es für 29,90 Euro, die Virtual-Reality-Brille für unter zehn Euro – pro Monat. 500 verschiedene Produkte bietet der Händler Media-Markt-Kunden im Rahmen seiner „Mietwochen“ leihweise an, darunter Smartphones, Fernseher, Saugroboter und Drohnen.

Den Konsum revolutionieren

Vor einigen Wochen startete bereits der Hamburger Versandhändler Otto seine Mietplattform „Otto Now“. Neben Hardware und Unterhaltungselektronik verleiht Otto seitdem Waschmaschinen, Kaffeevollautomaten und Cross-Trainer für zu Hause. Media Markt springt nun auf den Zug auf – und kooperiert mit jemandem, der die sogenannte „Switching Economy“, das flexible Mietmodell für Elektronikprodukte, vor zwei Jahren nach Deutschland brachte: Grover, damals noch unter dem Namen „Byebuy“, verfolgt seit April 2015 die Vision, die „Art und Weise des Konsums zu revolutionieren“, wie es Michael Cassau, Gründer und Geschäftsführer des Berliner Unternehmens, formuliert.

Verschiedene Konditionen

Einen Monat Mindestmietdauer verlangt Media Markt. Mit Ablauf der vier Wochen hat der Kunde jederzeit die Möglichkeit, das Produkt zurückzugeben. Otto verlangt seinen Kunden eine gewisse Loyalität ab, was die Mietdauer betrifft: Diese beläuft sich je nach Produkt auf mindestens drei oder sechs Monate. Erst dann kann monatlich gekündigt werden, mit einem Vorlauf von 14 Tagen. Dafür verringert sich der Mietpreis des Produkts, je länger es ausgeliehen wird. Für einen Beamer beläuft sich der Monatspreis beispielsweise im ersten Jahr auf 39,99 Euro, im zweiten kostet er nur noch 24,99 Euro.

Lieferung und Versand

Sowohl bei Media Markt als auch bei Otto sind Lieferung und Rückgabe kostenlos. Im Fall sperriger Haushalts- und Elektronikgeräte beinhaltet das Angebot bei beiden Anbietern auch den Anschluss beziehungsweise die Installation der Geräte. Grover hingegen erhebt eine pauschale Gebühr von vier Euro für den Versand eines Produkts, unabhängig von Anzahl und Art des Geräts. Die Retoure ist auch hier kostenlos.

Versicherung und Haftung

Normale Abnutzungsschäden, die bei „sachgemäßer Behandlung“ zwangsläufig nach mehreren Monaten der Benutzung auftreten, werden weder von Media Markt noch von Otto in Rechnung gestellt. Unter „sachgemäß“ fallen oberflächliche optische Makel wie der Kratzer auf dem Display. Was über die normalen Gebrauchsspuren hinausgeht, wie etwa ein Defekt, der durch Bedienungsfehler entstanden ist, muss vom Otto-Now-Nutzer bezahlt werden. Der Versandhändler empfiehlt deswegen, sich über die Konditionen der privaten Haftpflichtversicherung zu informieren. Bei Otto ist es also genau wie beim herkömmlichen Produktkauf. Geht ein Gerät ohne Eigenverschulden kaputt, bekommt der Kunde ein neues. Weiße Ware – Waschmaschine, Spülmaschine oder Trockner – wird kostenlos repariert beziehungsweise ausgetauscht. Zumindest was die Haftung betrifft, sind Grover und Media Markt etwas kulanter. Jedes Produkt ist zu 50 Prozent versichert. Selbst wenn ein Schaden selbst verursacht wurde, muss der Kunde maximal die Hälfte des ausgewiesenen Kaufpreises bezahlen. Für gestohlene oder verlorene Geräte gilt das allerdings nicht.

Produkte kaufen

Grover- und Media-Markt-Kunden haben jederzeit die Möglichkeit, ihre geliehenen Technikgeräte zu kaufen. Hier hat der Nutzer zwei Optionen: Der Mietpreis wird so lange gezahlt, bis der Kaufpreis erreicht ist – dann noch drei weitere Monate, und das Gerät kann behalten werden. Wer ein Produkt schon früher kaufen möchte, bekommt einen Rabatt in Höhe von 30 Prozent der bereits gezahlten Miete auf den Kaufpreis. Otto hat dieses Konzept noch nicht in sein Geschäftsmodell etabliert.

Wann sich das Leihen rechnet

Der Elektronikhändler Media Markt wirbt: „Die monatliche Miete beträgt nur einen kleinen Teil der normalen Anschaffungskosten.“ Das stimmt: Die monatliche Gebühr beträgt je nach Gerät rund zehn Prozent des Anschaffungspreises. Die Gopro Hero5 Session Action Cam kostet normalerweise 329 Euro und kann zu einem monatlichen Mietpreis von 29,90 Euro ausgeliehen werden. Nach elf Monaten ist der Kaufpreis zusammen. Rein rechnerisch lohnt sich das Mietgeschäft für den Kunden also nicht, in der Regel wäre er mit einem Direktkauf besser beraten.

Darum geht es in der „Sharing Economy“ aber auch nicht. Das Konzept richtet sich unter anderem an Menschen, die sich nicht festlegen wollen, oft umziehen oder sich den hohen Neupreis einiger Geräte nicht leisten können oder wollen. Frank Surholt von Otto spricht noch von einer weiteren Zielgruppe: dem Early-Adopter, zu Deutsch: frühzeitigen Anwender. Dank des Leihgeschäfts haben Technik-Liebhaber die Möglichkeit, stets die neuesten Errungenschaften auszuprobieren. Interessant ist die Alternative zum Direktkauf auch für junge Familien. Nicht allzu selten ändern Kinder schnell wieder ihre Interessen, verlieren die Lust an Dingen, die sie eben noch unbedingt haben wollten. Außerdem sind manche Dinge nur kurzfristig notwendig: wenn das eigene Notebook zum Beispiel in der Reparatur ist oder sich die Anschaffung einer neuen Waschmaschine für eine vorübergehende Studenten-WG nicht lohnt.

Nachteile des Konzepts

Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät zu einer genauen Prüfung der Konditionen: Wichtig sei vor allem die Garantiefrage. Denn eine herkömmliche Gewährleistung, wie sie bei einem normalen Kauf gesetzlich vorgeschrieben ist, gibt es beim Mieten nicht. Media Markt und Otto werben mit einer Garantie auf die geliehene Ware.

Genau wie beim normalen Produktkauf könne hier jedoch nicht zu 100 Prozent davon ausgegangen werden, dass die Garantie im Schadensfall auch wirklich greift, warnt Tryba. Gerade bei Elektronikprodukten könne es für den Kunden kompliziert werden, zu beweisen, dass ein Defekt nicht selbst verursacht wurde. Im ungünstigen Fall wird aus dem vermeintlichen Schnäppchen schnell ein hoher Selbstbeteiligungsbetrag. Bei einem bei Media Markt gemieteten Camcorder wäre das mit 2025 Euro schon eine stattliche Summe.

Zudem verführen die niedrigen Monatsgebühren schnell zu Vertragsabschlüssen, die man sich langfristig vielleicht gar nicht leisten kann, kritisiert Handelsexperte Patrick Palombo von der Beratungsgesellschaft Palombo-Consulting. Das ist nicht anders als beim klassischen Ratenkauf, der immer noch möglich ist – auch bei Media Markt und Otto.

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