Wirtschaft : Showdown am Flughafen

Nach und nach verliert Löscher das Vertrauen Auch für Aufsichtsrat Cromme wird es eng.

München/Düsseldorf - Die Kontrolleure sind an diesem Samstag zu Notsitzungen am Münchener Flughafen zusammengekommen. In getrennten Sitzungen treffen sich von elf Uhr an die Vertreter der Arbeitnehmer- und Kapitalseite. Mehrmals tagt das Aufsichtsratspräsidium mit Josef Ackermann, Berthold Huber, Gerhard Cromme und Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler. Bis 19 Uhr jagt eine Sitzung die andere. Insbesondere Ex-Deutschbanker Ackermann, jetzt Aufsichtsratschef bei Zurich Financial, stößt sich an der Art, wie Siemens die Gewinnwarnung kommuniziert habe. Allianz-Chef Michael Diekmann und, in Teilen, die Unternehmerin Nicola Leibinger-Kammüller (Trumpf) sind auf Ackermanns Linie. Das sei unwürdig für einen Weltkonzern, so der Tenor.

Doch im Grunde, berichtet einer, sei die Sachlage klar gewesen: Löscher sei nicht zu halten, Finanzchef Kaeser gesetzt. Mancher Aufsichtsrat hat Bauchschmerzen, denn Kaesers offene Art hat Löscher in den vergangenen beiden Jahren geschadet. „Doch ist Kaeser nicht der Putschist, als den ihn viele sehen“, sagt einer. „Ihm liegt bei aller Eitelkeit das Wohl des Unternehmens am Herzen.“

Auch von Gerd von Brandenstein, als Mitglied der Siemens-Familie im Aufsichtsrat, bekam Löscher keine ausreichende Unterstützung mehr. Die Eigendynamik war nicht mehr aufzuhalten. „Der Konzern braucht jetzt Ruhe“, sagt ein Aufsichtsrat. In einer dürren Mitteilung teilt Siemens dann am Samstagabend mit, die Tagesordnung der Aufsichtsratssitzung werde am kommenden Mittwoch erweitert. Das Gremium werde über das Ausscheiden des Vorstandsvorsitzenden beschließen. Noch ist offen, ob Löscher mit Zweidrittelmehrheit gekündigt werden muss oder ob es eine Einigung gibt. Darauf läuft es aber hinaus, inklusive einer Abfindung von rund 15 Millionen Euro.

In den nächsten Tagen, prognostiziert ein Siemens-Kenner, wird es vor allem um Gerhard Cromme gehen. „Der Aufsichtsrat unter ihm hat alle Entscheidungen der vergangenen Jahre mitgetragen“, sagt ein Siemens-Manager. Zudem habe Cromme dem Machtkampf im Vorstand viel zu lange tatenlos zugesehen. Erst zu Jahresanfang hatte er die Vorstände einbestellt und mehr Loyalität und Zurückhaltung gefordert. Im Aufsichtsrat selbst hat es nach den Ereignissen um Thyssen- Krupp offenbar eine Umfrage gegeben, ob Cromme bei Siemens zu halten sei. Das Ergebnis war: Ja. Doch wie sieht es nächstes Mal aus, wenn wieder ein Meinungsbild eingeholt wird?

Bei der Grundsteinlegung am vergangenen Montag saßen Cromme und Löscher noch einträchtig nebeneinander. Sie spielten ihre Rollen. Setzten ein Lächeln auf zum Festakt mit Leberkäs und Blaskapelle. Nach den offiziellen Feierlichkeiten machte sich Cromme recht schnell davon, Löscher stand meist im kleinen Kreis. Und Kaeser war guter Dinge. HB

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