Sicher Pedelec fahren : E-Biken will gelernt sein - Tipps zur Sicherheit

Elektrofahrräder sind simpel zu bedienen - aber können wegen ihres ungewohnt hohen Tempos zur Gefahr werden. Wer vorher ein paar Dinge übt, ist im Ernstfall sicherer unterwegs.

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Unter Strom. Pedelecs machen gerade weniger fitten Menschen das Radfahren leichter - und schneller.
Unter Strom. Pedelecs machen gerade weniger fitten Menschen das Radfahren leichter - und schneller.Foto: dpa

Mit Pedelecs ist man schnell schnell – und ganz schnell auch mal zu schnell, wenn es brenzlig wird. Deshalb ist es ratsam, sich vor dem Umstieg auf einen Stromer ein paar Gedanken über die Sicherheit zu machen und in ruhigen Gefilden zu probieren, wie man das bauartbedingt ziemlich schwere und dank des Motors oft recht schnelle Rad auch im Ernstfall sicher beherrschen kann. Diese Übung macht sogar Spaß, wie am Rande der Messe Velo Ende März unterm Funkturm zu erleben war: Dorthin hatte der „Pressedienst Fahrrad“ zum Training unter Regie des Mountainbike-Lehrers Jan Zander geladen.

Voraussetzung für eine sichere Fahrt ist nicht nur die richtige Sitzposition (Ferse muss bei durchgestrecktem Bein noch auf dem Pedal in unterster Position stehen), sondern auch die richtige Rollposition: Wer gerade nicht tritt, hält die Pedale waagerecht – also eins vorn, eins hinten und niemals eins oben, eins unten. Letzteres macht die Fuhre wacklig, kann in Kurven bösen Bodenkontakt verursachen und verhindert, dass man flott antreten kann. Dass der Lenker bequem und die Sitzposition aufrecht genug für vollen Überblick im Verkehr sein sollte, versteht sich von selbst. Beim Pedelec kommt die richtige Position der Bremsgriffe hinzu, die gern übersehen wird: Die Griffe sollten weitenverstellbar sein (meist sitzt ein Gewinderädchen oder eine Madenschraube darin) und so nahe am Lenker, dass man dauerhaft mindestens einen Finger um sie legen kann. Ein Finger pro Seite reicht bei guten Bremsen, zwei sind auch ok, mehr sollten es nicht sein (müssen).

Während der Motor beim Tempomachen hilft, muss man das Bremsen allein meistern. Dazu prägt man sich zuerst ein, welcher Griff zu welcher Bremse gehört. Die vordere verzögert wegen der unvermeidlichen Gewichtsverlagerung beim Bremsen deutlich stärker als die hintere, kann aber in Kurven und auf losem Untergrund Stürze befördern und in Schrecksituationen einen Abflug über den Lenker verursachen, wenn sie allzu hart gezogen wird. Damit das nicht passiert, sollte stets beidseitig gebremst und gelegentlich eine Vollbremsung geübt werden. Bei der schiebt man das Körpergewicht ein Stück nach hinten, damit das Hinterrad am Boden bleibt. Fortgeschrittene können sogar hinter den Sattel rücken, sofern die Arme dann noch lang genug sind zum Lenken. Wer diese Kombination – beide Bremsen gleichzeitig ziehen und den Körper nach hinten rücken – beherrscht, gewinnt im Ernstfall entscheidende Meter.

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Für mehr Komfort und Sicherheit gerade auf den rumpligen Berliner Radwegen empfiehlt sich, bewusst locker zu rollen – also Kanten oder Schlaglöcher nicht sitzend zu überfahren, sondern den Körper zu entlasten und die Stöße über die Beine aktiv abzufedern. Dasselbe gilt für die Arme, die vor einer Abwärts-Kante gebeugt werden, damit das Fahrrad sozusagen „einzeln“ herunterfährt. Bei Aufwärts-Kanten funktioniert das Prinzip umgekehrt, indem wiederum die Ellenbogen locker gelassen werden, damit einem der Lenker entgegenkommt und man die Bewegung stoßfrei ausgleichen kann. All das schont Knochen und Material. Wer routinierte Radler beobachtet (im Idealfall sich selbst), stellt fest, dass die es instinktiv so machen.

Wer sich angewöhnt, eher früher als später aus dem Sattel zu gehen, hat auch in flott gefahrenen Kurven oder auf plötzlich losem Untergrund – Granulat oder Sand auf der Fahrbahn – einen Vorteil: Wer das Rad unter sich neigt, sichert stetigen senkrechten Druck auf die Reifen und rutscht nicht so leicht weg. In dieser Situation dürfen ausnahmsweise auch die Pedale senkrecht stehen; das kurvenäußere selbstverständlich unten. Außerdem gilt für Pedelecs umso mehr die Biker-Weisheit, dass man mitten in einer schnellen Kurve möglichst nicht bremst, weil man sonst ins Rutschen geraten kann – und fast unvermeidlich stürzt. Wer merkt, dass er ein bisschen schnell in die Kurve gegangen ist, sollte nicht direkt vors Rad, sondern auf den weiteren Straßenverlauf schauen: Man fährt nämlich instinktiv dorthin, wohin man schaut.

Dass man aufs Pedelec grundsätzlich nur mit Helm steigt, wird hier ebenso vorausgesetzt wie prall aufgepumpte Reifen. 25 km/h sind zu schnell für einen ungeschützten Schädel. Und 25 Kilo sind zu schwer für wabbelige Reifen. Ebenso wichtig ist, im Stadtverkehr besonders vorausschauend zu fahren. Denn auf dem Pedelec ist man oft schneller, als andere Verkehrsteilnehmer es von einem Radler erwartet hätten.

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