Wirtschaft : Sicherheit auf dem Markt: Immobilienaktien als stabiles Fundament

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Seit dem Zusammenbruch des Neuen Markts im Frühjahr 2000 haben Anleger den Reiz weniger chancenreicher, dafür aber stabilerer Werte für sich entdeckt. Immobilien-Aktien profitieren europaweit von dieser Ernüchterung der Investoren. "Seit Oktober sind sie ins Blickfeld der Investoren geraten, die nun etwas Sicherheit auf dem Markt suchen", sagt Arnim Kogge, Asset Manager bei dem Stuttgarter Bankhaus Ellwanger und Geiger.

Wer von steigenden Bodenpreisen und Mieten profitieren will, sein Kapital aber nur kurzfristig binden möchte, steht mit der Immobilienaktie steuerlich auch besser da: Während die Spekulationsfrist für Grundstücke und Gebäude von zwei auf zehn Jahre angehoben wurde, können Aktien nach einem Jahr steuerfrei veräußert werden. Das Stuttgarter Bankhaus bietet mit den Indizes Epix-30 und Epix-50 Referenzinstrumente für europäische Immobilien-Aktien aus den Bereichen Privat- und Gewerbeimmobilien. Um in den Index aufgenommen zu werden, muss ein Unternehmen mindestens 75 Prozent seiner Erträge im Immobilien-Bereich erzielen, eine Marktkapitalisierung von mindestens 50 Millionen Mark vorweisen, in einem nationalen Index vertreten sein und einen ausreichenden Streubesitz vorweisen.

"Die Immobilienmärkte der Euro-Zone sind gewiss heterogen - doch sie befinden sich auf Konvergenz-Kurs. Fonds haben einen internationalen Blick und benötigen zumindest europäische Benchmarks", sagt Murielle Jardel, Analystin bei der Société Générale in Paris. Jan-Willem de Geus, Geschäftsführer beim EPRA (European Public Real-Estate Association) bei Morgan Stanley Dean Witter in Amsterdam, hält den europäischen Immobilienmarkt derzeit für attraktiv: "Hochwertige Aktien sind in Europa derzeit günstig zu haben. Wir erwarten mittelfristig bis zu 15 Prozent Rendite." Der britische Markt, Heimat von rund der Hälfte aller europäischen Immobilien-Gesellschaften, sei der attraktivste - dort bremse der hohe Pfundkurs allerdings den Elan der Anleger, sagt Bernd Stahli von Merril Lynch.

Die Mehrzahl der Analysten geht von einer milden Aufwärtsentwicklung der europäischen Immobilien-Aktien aus. Auch wenn der deutsche Immobiliensektor von vielen als wenig durchsichtig oder liquide bezeichnet wird - der Streubesitz ist sehr gering, und wenige große Gesellschaften bestimmen den Markt - gebe es auch hier Potenzial, so Daniel Brickwell von ABN Amro. "Wir stehen kurz vor einem Aufschwung, insbesondere was Gewerbe-Immobilien und Frankfurt betrifft." Nach seiner Einschätzung werden viele deutsche Immobilien-Aktien unter ihrem Wert gehandelt. Eine ähnliche Meinung vertritt Hans Hartmann von Dresdner Kleinwort Wasserstein. "Aufgrund der Steuerreform sind viele Immobilienbestände auf dem Weg zur Ausgliederung." Die Steuerreform erlaubt es Immobilien-Gesellschaften, ihre Gewerbe- und Wohnimmobilien in Tochtergesellschaften auszugliedern und die Bestände steuerfrei zu veräußern. Dadurch ergebe sich ein beachtliches Wachstumspotenzial, so Hans Hartmann.

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