Wirtschaft : Sicherheitstechnik: Kein Jubel bei den Profiteuren der Krise

siri

Der Aktienkurs von Identix, einem Softwarehersteller aus dem Silicon Valley, schoss nach den Terrorattacken in New York und Washington vom 11. September steil in die Höhe. Am ersten Handelstag nach der Tragödie notierte die Aktie mehr als 100 Prozent im Plus. Das große Interesse an Identix ist verständlich: Schließlich stellt das Unternehmen digitale Scanner her, die Personen anhand ihrer Fingerabdrücke identifizieren können. Diese Scanner werden bereits an einigen amerikanischen Flughäfen zur Personenkontrolle eingesetzt.

Das Bedürfnis nach Sicherheit ist seit den Terroranschlägen stark gestiegen. Und damit auch die wirtschaftlichen Möglichkeiten für diese Branche. Das Beratungsunternehmen International Biometric Group sagt beispielsweise, dass der Umsatz für so genannte biometrische Geräte und Software in den Vereinigten Staaten bis zum Jahr 2005 auf 1,9 Milliarden Dollar wachsen wird. Im laufenden Jahr wird ein Umsatz von insgesamt rund 520 Millionen Dollar erwartet. "Seit den Attacken haben wir unheimlich viele Anrufe von Leuten bekommen, die sich für unsere Technologie interessieren", bestätigt Indentix-Sprecher Damon Wright. Doch der Umgang mit dem unvermittelten Erfolg ist nicht einfach: "Das ist ein sehr sensibles Thema, schließlich wollen wir nicht so aussehen, als ob wir aus der Tragödie Gewinn schlagen wollen." Um diesen Eindruck auf jeden Fall zu vermeiden, hat Identix eine Marketingkampagne, die ursprünglich für Mitte September geplant war, bis auf weiteres verschoben.

Firmen kämpfen mit Image-Problemen

Viele US-Firmen, denen die Attacken wirtschaftlichen Erfolg gebracht haben, kämpfen mit der Frage, wie und ob sie das gestiegene Interesse an ihren Produkten ausnutzen sollen. Visionics, ein Biometrie-Unternehmen aus Jersey City im US-Bundesstaat New Jersey, reagierte mit einer Pressemitteilung auf die Terror-Anschläge, in der es auf die Bedeutung von digitaler Gesichts- und Fingerabdruckserkennung für die Sicherheit von Flugpassagieren hinweist.

Die wenigsten Unternehmen stellen ihr Produkt aber in einen so direkten Zusammenhang mit den Anschlägen. "Wir wollen auf keinen Fall Kapital aus der Tragödie schlagen", hatte Oracle-Chef Larry Ellison seine Marketingberater unmittelbar nach den Terroranschlägen instruiert.

Auch Avistar Communications aus Redwood Shores, Kalifornien, ein Unternehmen, das Technologie für Videokonferenzen anbietet, hat nach den Attacken einen starken Anstieg der Nachfrage gesehen. "Wir versuchen, professionell mit der Situation umzugehen und keine direkte Verbindung zwischen den Ereignissen und unserem Produkt herzustellen", sagt Jim Hughes, Präsident von Avistar. Dennoch spiele die Furcht vor Terrorattacken eine wichtige Rolle bei der Entscheidung seiner Kunden, statt in Flugreisen nun in Videokonferenzen zu investieren. "Wir haben aus den falschen Gründen Erfolg", sagt Hughes. "Aber wir streuen natürlich kein Salz in die Wunden." In der Kommunikation mit den Kunden bleibt das Thema Terror für Avistar deshalb tabu.

Ob offen ausgesprochen oder nicht, Avistar profitiert von den Anschlägen. Das Unternehmen reagiert mit Sonderangeboten auf das gestiegene Interesse an seinen Produkten. So hat das Unternehmen die Preise für bestimmte Videokonferenz-Ausrüstung beispielsweise um bis zu 15 Prozent gesenkt, und andere Produkte wurden zudem gebündelt, so dass sie vom Abnehmer leichter zu installieren sind. "Wir müssen ja alle nach den schrecklichen Ereignissen wieder an die Arbeit", rechtfertigt sich Avistar-Präsident Hughes.

Spekulationen um die Aktienkurse

Einige Unternehmen, wie Invision Technologies aus Newark, Kalifornien, wollen sich unterdessen nicht dazu äußern, wie sich die Anschläge auf das Geschäft ausgewirkt haben. "Es könnte Spekulationen um unseren Aktienkurs geben, und daran wollen wir uns nicht beteiligen", sagte Invision-Sprecher Ross Mullholland. Tatsächlich sind auf mehreren schwarzen Brettern im Internet bereits Nachrichten aufgetaucht, die Aktien der Sicherheitsfirmen beeinflussen wollen. "Es gibt eine ganze Reihe von Spekulanten", bestätigt auch Identix-Sprecher Damon Wright. "Damit wollen wir aber nichts zu tun haben."

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