Sicherheitszentrums-Verkauf : Berlin bleibt bei Crashtests vorn

Eine hochmoderne Crashtestanlage in Berlin ist jetzt von der Hand des US-Autozulieferers Delphi in die des Wiener Unternehmens Isi gewechselt. Sie soll auch weiterhin der gesamten Autobranche für Crashtests zur Verfügung stehen.

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Das Ende. Delphi will jetzt gar keine Airbags mehr bauen. -Foto: dpa

BerlinGoodbye Delphi, Servus Isi: Eine hochmoderne Crashtestanlage in Berlin ist jetzt von amerikanischer in österreichische Hand gewechselt. Das Unternehmen Isi aus Wien hat das Entwicklungszentrum für Fahrzeugsicherheit von Delphi übernommen, teilte das österreichische Unternehmen am Montag mit. Von den 32 Mitarbeitern können 24 bleiben. Es ist der letzte Rest der Aktivitäten des insolventen US-Autozulieferers Delphi in Berlin. Ein Werk in Reinickendorf mit 160 Beschäftigten war bereits vor drei Jahren an die Freudenberg-Gruppe gegangen.

Isi entwickelt und produziert Gasspeicher und Generatoren, die in Airbags zum Einsatz kommen. Neben dem Berliner Crashtestzentrum übernimmt Isi den kompletten Airbag-Geschäftsbereich der früheren GM-Tochter Delphi. Dazu gehören Lieferverträge und Entwicklungsaufträge sowie Anlagen aus Werken in Portugal und Ungarn, die aber nach Wien verlagert werden sollen. „Damit entwickeln wir uns zum wettbewerbsfähigen Komplettanbieter im Bereich Airbag und steigen auf der Anbieterebene auf die höchste Stufe auf. Das eröffnet uns die Möglichkeit, mit den Automobilherstellern direkt zu verhandeln“, erklärt Isi-Sprecherin Natalie Brandis.

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Isi plant, die Forschung auszubauen - Neueinstellungen seien in Berlin aber nicht geplant. -Foto: dpa

Das Entwicklungszentrum im Berliner Norden soll auch weiterhin der gesamten Autobranche für Crashtests zur Verfügung stehen. Zu den Kunden zählen Audi und Seat. Zudem bleibt das Zentrum Forschungsstätte für Entwicklungsaufträge. Isi plant, die Forschung auszubauen – Neueinstellungen seien in Berlin aber nicht beabsichtigt.

Delphi zieht sich damit komplett aus dem Airbaggeschäft zurück. „Angesichts der aktuellen Absatzlage wollen wir uns neu positionieren“, sagte Thomas Aurich, Sprecher von Delphi Deutschland. Man wolle sich in Wuppertal, Hauptsitz des Zulieferers, wieder auf das Kerngeschäft Einspritzsysteme und Elektronik konzentrieren. Dort werden gerade 255 der 1100 Stellen abgebaut, dafür gilt aber eine Bestandsgarantie für die nächsten drei Jahre.

„Der Anteil am Airbaggeschäft war zu klein“, erläutert Knut Gießler, Geschäftsführer der IG Metall Wuppertal. Airbags von Delphi gibt es nur in einem einzigen Auto – dem Smart. Nachdem sich das Unternehmen im Zuge der Insolvenz der Muttergesellschaft bereits von Geschäftseinheiten wie Türantrieben, Lenkung, Radlagern und Cockpit getrennt hatte, sei diese Entscheidung nur folgerichtig, sagt der Gewerkschafter. (yss)

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