Wirtschaft : Sie nannten ihn den „roten Banker“

Der ehemalige WestLB-Chef Friedel Neuber ist im Alter von 69 Jahren an Herzversagen gestorben

Peter Brors (HB

Düsseldorf - Der langjährige Vorstandsvorsitzende der WestLB, Friedel Neuber, ist am Wochenende im Alter von 69 Jahren an Herzversagen gestorben. Neuber war zwei Jahrzehnte lang, von 1981 bis 2001, als WestLB-Chef die Macht an Rhein und Ruhr. Die Spitzen von Politik und Wirtschaft brauchten ihn. Am Augenscheinlichsten wurde das immer dann, wenn mal wieder ein Unternehmen im sozialdemokratisch regierten Nordrhein-Westfalen in der Krise steckte: Ob beim Anlagenbauer Babcock oder beim Maschinenbauer Gildemeister – wollten die roten Ministerpräsidenten Johannes Rau und später Wolfgang Clement Industriepolitik machen, ging das nicht ohne die WestLB und Neuber. Rau pflegte dann zu sagen: „Der Friedel macht das schon.“

Ein paar Hundert Meter von Raus Amtssitz entfernt war die Zentrale der WestLB, einst das viertgrößte Geldinstitut der Republik. Hier schlug das Herz der NRW AG. Eine machtvolle Bündelung des Kapitals, die sich in Beteiligungszahlen ausdrückte: 33 Prozent gehörten der WestLB früher an der Preussag, zehn Prozent an Babcock, zehn Prozent an VEW, auch Anteile an Thyssen-Krupp und der LTU. Darüber hinaus hatte Neuber bis zuletzt als Aufsichtsratschef bei RWE und der Tui das Sagen und war Kontrolleur bei Thyssen-Krupp und der RAG.

Eisern hielt er an diesen Aufsichtsratsposten fest, obwohl ihm zuletzt die Fäden „entglitten“ waren, wie es in Aufsichtsratskreisen hieß. Neuber aber ließ sich nicht beirren, er wollte unbedingt weitermachen. „Gewählt ist gewählt“, sagte er. Doch das System Neuber bröckelte längst, nicht zuletzt wegen der „Flugaffäre“ vor fast fünf Jahren. Politiker hatten auf Kosten der WestLB den Flugdienst der Bank auch für private Urlaube genutzt.

Erst spät, kurz vor seinem Ausscheiden als WestLB-Vorstand im August 2001, machte Neuber dann auch den Weg frei für die geforderte Aufspaltung der Bank in eine öffentlich-rechtliche Muttergesellschaft, der Landesbank NRW und der privaten Tochter WestLB. Es war auch das äußere Zeichen dafür, dass eben nichts mehr so war wie früher, als ein paar Anrufe zwischen Staatskanzlei, Finanzministerium und WestLB reichten, um die dringendsten Probleme an Rhein und Ruhr zu lösen.

Viele Jahre hatte Neuber, ehemaliger Juso-Chef in NRW und langjähriger SPD-Abgeordneter, die Macht des geselligen Beisammenseins für sich genutzt. Man traf sich im Düsseldorfer Industrieclub, wo die alten Ruhrbarone aus mächtigen Bildern an holzvertäfelten Wänden die Besucher anschauten und Neuber gerne vor geladenen Gästen seine Visionen ausbreitete. Seine Sprache war meist nüchtern, betont sachlich. Als er einmal, seine Macht bröckelte da schon, gefragt wurde, ob eine Karriere wie die seine heute noch möglich wäre, antwortete er nur: „Nein“. )

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