Wirtschaft : Sie reisen nicht mehr wie die Weltmeister

Unter dem Einfluss von Terror und Wirtschaftsflaute werden die Urlaube der Deutschen kürzer und billiger

Flora Wisdorff

Unter dem Einfluss von Terror und Wirtschaftskrise verändern die Deutschen ihr Reiseverhalten. Zwar machen sie nicht viel weniger Reisen: Im Jahr 2002 unternahmen die Deutschen 63,1 Millionen Urlaubsreisen von mindestens fünf Tagen. Das sind nur 0,6 Prozent weniger als als 2001, wie die Reiseanalyse 2003 ergab, die die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) am Freitag auf der ITB vorstellte.

Auch sei die Absicht, in diesem Jahr zu verreisen, „erstaunlich wenig gesunken“, sagte Peter Aderhold, Geschäftsführer der FUR. 67 Prozent der Deutschen wollen im Jahr 2003 mindestens eine Urlaubsreise unternehmen, Anfang 2002 waren es 69 Prozent. Parallel dazu stieg der Anteil derjenigen, die vermutlich nicht verreisen werden, von 14 auf 16 Prozent. Die Urlaubsreise sei inzwischen ein „normales Konsumgut“ geworden.

Allerdings verreist man kürzer, billiger und zu anderen Zielen. Ihre eigene Heimat ist laut der FUR-Analyse immer noch das Lieblingsziel der Deutschen mit 30,5 Prozent Marktanteil (2001: 29,2 Prozent). Bayern und die Ostsee sind dabei die Spitzenreiter. Ins Ausland sind die Deutschen dagegen etwas weniger häufig gereist. 2002 hatten die Reisen jenseits der deutschen Grenzen nur noch 43,8 Prozent Marktanteil – 2001 waren es noch 69,5 Prozent. Liebstes Ziel ist noch immer Spanien, allerdings hat das Land vor allem auf den Kanaren starke Rückgänge verzeichnet. Zugelegt haben dagegen vor allem die Türkei, Kroatien und Slowenien. Der eher unbedeutende Anteil der Fernreisen hat sich weiter verringert, von sechs Prozent in 2001 auf 5,3 Prozent in diesem Jahr.

Die Angst vor dem Terror beeinflusste der FUR-Analyse zufolge Anfang 2003 rund 40 Prozent der Deutschen bei ihrer Reiseentscheidung. Im November 2002 waren es noch 21 Prozent. Gleichzeitig sagen aber 60 Prozent, dass sie die Terrorgefahr nicht beeinflusse. Angst und Wirtschaftskrise lassen die Deutschen seltener fliegen. 31,5 Prozent Marktanteil haben die Flugreisen an allen Reisen, das ist der tiefste Stand seit sechs Jahren. Den Personenwagen benutzen die Urlauber dagegen wieder öfter.

Angst davor, in den Billigflieger zu steigen, haben die Deutschen allerdings nicht. 2002 nutzten 2,2 Millionen von ihnen die preiswerten Angebote. In diesem Jahr können sich dies sogar bis zu 19 Millionen Menschen vorstellen.

Überhaupt sei die Preissensibilität der Urlauber gestiegen, so die FUR. Dies äußere sich einerseits darin, dass Besuchsreisen bei Freunden und Verwandten wieder stärker geplant werden, sagte Aderhold. Außerdem wollten nur noch 24 Prozent der Deutschen mehr für ihren Urlaub ausgeben als bisher. 1992 hatte dieseQuote noch bei 46 Prozent gelegen. Die Reisen sind auch kürzer geworden: die durchschnittliche Urlaubsdauer ist laut dem Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) 2002 auf 11,9 Tage von 12,2 Tagen gesunken.

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