Wirtschaft : Sieg oder Desaster: Die EU hat den zweiten Kandidaten bestimmt - jetzt muss Clinton zustimmen

Stephan-Andreas Casdorff

Es musste so kommen, es durfte aus deutscher Sicht gar nicht anders sein. Die Finanzminister der Europäischen Union haben auch den mittlerweile zweiten deutschen Bewerber für das Amt des Geschäftsführenden Direktors im Internationalen Währungsfonds (IWF) akzeptiert - einstimmig. Das war zwingend, weil jedes andere Stimmverhalten, wirklich jedes, dreierlei bedeutet hätte: das Ende des Kandidaten Horst Köhler, ein außenpolitisches Desaster der rot-grünen Bundesregierung und eine ernste Gefahr für die Wahrnehmung Europas als politische Einheit. Und zwar nicht nur in den USA.

Der erste Schritt ist geschafft. Der zweite, die Zustimmung der USA, ist jetzt - eigentlich - die logische Konsequenz. Wenn nun nämlich der amerikanische Präsident Bill Clinton, sein Sicherheitsberater Sandy Berger, Finanzminister Larry Summers überein kämen, auch noch Köhler zu verhindern, wäre das ein feindseliger Akt unter vermeintlichen Freunden. Er hätte eine Eskalation zur Folge: eine bisher nicht gekannte Konfrontation zwischen Europa und Amerika, mit der keinem geholfen wäre, nicht dem IWF und auch nicht den USA, die den IWF umbauen wollen.

Der erste Kandidat des Kanzlers, Caio Koch-Weser, hatte keine Chance. Die Bundesregierung hätte es wissen können, sie hätte es heraushören müssen. Eine falsche Lagebeurteilung, die fehlerhafte Einschätzung amerikanischer Interessen und Selbstüberschätzung haben diese Bewerbung bitter enden lassen. Wie lange es wohl dauern wird, bis sich der Finanzstaatssekretär in die Privatwirtschaft verabschiedet?

Köhler, der Chef der Osteuropabank in London, ehemals "Sherpa" Helmut Kohls für die Wirtschaftsgipfel, Finanzstaatssekretär unter Theo Waigel, hilft der sozialdemokratisch geführten Regierung aus der Not. Das ist angesichts der internationalen Diskussion über die deutsche Präsentation auch pikant. Es zeigt das geringe Reservoir der amtierenden Koalition für Führungspersonal weltumspannender Organisationen.

So richtig gelungen ist der Regierung allerdings auch der zweite Versuch nicht. Dieser Umstand wird die Regierung noch beschäftigen, wenn Köhler längst IWF-Chef geworden sein sollte. Denn nur die Solidarität der europäischen Regierungschefs mit einem der Ihren, dem Kanzler des Landes, das allein wegen seiner Wirtschaftskraft in der EU dominierend wirkt, hat ein internes Zerwürfnis so eben noch verhindert.

Mindestens in zwei Ländern hatten Minister andere Vorstellungen. In Britannien hätte sich Finanzminister Gordon Brown den Briten Andrew Crockett gewünscht, in Italien war Außenminister Lamberto Dini für den Chef des Finanzressorts, Giuliano Amato. Auch in Österreich, so war zu hören, musste Kanzler Wolfgang Schüssel energisch werden. Die nächste Zeit wird deshalb zusätzlich unter dem Gesichtspunkt interessant werden, was die Zustimmung der Europäer Gerhard Schröder noch kostet.

Also Horst Köhler. Ein Konservativer, einer, der Zuwendung von Zahlen abhängig machen wird. Den können die USA schwer ablehnen. Es sei denn, Bill Clinton wollte zum Schluss seiner Amtszeit riskieren, dass in Europa seine Kollegen unversehens Anti-Amerikaner werden.

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