Wirtschaft : „Siege, wenn du kannst – verliere, wenn du musst“ Neujahrsempfang bei Axel Springer

Ulrike Simon

Berlin - Mathias Döpfner sprach über Optimismus, und doch überwog die Ironie. Gäste und Mitarbeiter der Axel Springer AG waren am Dienstagvormittag in die 19. Etage des Berliner Verlagsgebäudes geströmt, um die Worte des Vorstandsvorsitzenden zu hören. Stunden, bevor die Medienaufsicht Döpfners Pläne zur Übernahme von Pro Sieben Sat 1 stoppte, stieg beim Neujahrsempfang des Verlags noch einmal die Spannung.

Döpfner ließ die Zuhörer nicht lange warten. Es wäre „verklemmt, heute hier zu Ihnen zu sprechen, ohne unsere geplante Fusion mit Pro Sieben Sat 1 zu erwähnen“, sagte er. Er verfahre weiter nach dem Motto „Siege, wenn du kannst, verliere, wenn du musst, aber kapituliere nie“. Sollten die TV-Pläne am Überregulierungswahn scheitern, werde Springer im Ausland und in digitale Märkte investieren. Döpfner gab sich gelassen.

Unter den Beschäftigten von Springer, Pro 7, Sat 1, N 24, Kabel 1 und Neun Live hat das Dauergesprächsthema längst Unruhe ausgelöst. Täglich lesen sie die Zeitungen und die besonders dicken Pressespiegel und erschrecken mitunter über das, was sie lesen. Manche befürchten, die Debatten könnten der Glaubwürdigkeit einzelner Objekte und des ganzen Konzerns schaden.

Doch bei Sat 1 und Pro 7 machen sich die Beschäftigten Mut. „Angst kennt hier keiner“, sagt eine Mitarbeiterin. Nach der von Dauerstreitereien begleiteten Fusion zur heutigen Pro Sieben Sat 1 Media AG, nach der Kirch-Pleite, nach dem Verkauf an den US-Investor Haim Saban und seinem gebrochenen Versprechen, lange Jahre Eigentümer zu bleiben, erschüttert die Angestellten mittlerweile nichts mehr. Klar, man hätte sich über Springer als Eigentümer gefreut. Mancher Redakteur stöhnt, der Sparkurs der letzten Jahre, der Saban und seine Mitinvestoren noch reicher gemacht habe, werde sich irgendwann rächen. „Ein Eigentümer, der wieder investiert, wäre schön“, heißt es. „Aber wenn Springer nicht kommt, kommt eben ein anderer.“

Im Verlag sieht es anders aus. „Ich hätte nicht im Traum daran gedacht, dass Springer auch nur theoretisch erwägen könnte, die ,Hörzu’ zu verkaufen“, sagt ein Redakteur. Immerhin handle es sich um einen Traditionstitel, der quasi zum Erbgut von Springer gehöre und der mit der „Goldenen Kamera“, die am 2. Februar wieder verliehen wird, dem Verlag viel Prestige verleiht. Auch das in München angesiedelte Magazin „Maxim“ stand auf der Verkaufsliste, die Springer beim Kartellamt als Zugeständnis eingereicht hatte, um die Genehmigung zu erhalten. „Wir haben uns eher amüsiert, als unser Heft im Kartellverfahren plötzlich auch eine Rolle spielte“, heißt es in der Redaktion.

Die Unsicherheit ist zu spüren. Nicht jeder weiß die Hintergründe der kartell- und medienrechtlichen Verfahren einzuordnen. Dennoch versuchen alle zu verstehen, was da zu hören und zu lesen ist.

Es gibt Erklärungsbedarf. Daher bat Döpfner vergangenen Freitag in Hamburg gleich nach Bekanntwerden der „Desinvestitionsliste“ die Chefredakteure und Geschäftsführer zu einer Informationsveranstaltung. Er erklärte Hintergründe, Taktiken – und er beruhigte die Führungskräfte, wohl in der Hoffnung, dass sie ähnlich auf ihre Mitarbeiter einwirken würden.

Doch es knirscht bei Springer. Chefredakteure berichten, das Übernahmeverfahren lähme das Unternehmen. Döpfner sei „ganz der Alte“ – wenn man ihn denn mal zu sprechen bekomme. Seine Anspannung sei aber zu spüren. Viele warten ab und wollen ihn nicht mit ihren Problemen belasten. Manches duldet keinen Aufschub. Gerade in jenem Vorstandsressort, das Döpfner jetzt und in Zukunft betreut: die Zeitungen.

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