Wirtschaft : Siemens AG: Die Münchner starten Offensive in Amerika

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Die Münchner Siemens AG will mit einer Großakquisition ihre Effizienz auf dem US-Markt erhöhen und die Internetaktivitäten ausbauen. Für 1,5 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Mark) soll der US-Konzern Efficient Networks Inc. vollständig übernommen werden, kündigte Konzernchef Heinrich von Pierer am Donnerstag anlässlich der Hauptversammlung in München an. Der an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Breitband-Spezialist sei technologisch und geografisch eine ideale Ergänzung zum Siemens-Geschäftsbereich Information and Communication Networks (ICN). Zukünftige Ertragsbelastungen erwartet von Pierer durch den Aufbau der Breitband-Technologie und im Mobilfunk.

Mit Efficient sei Siemens in der Lage, schnelle Zugangstechnologien für die nächste Internet-Generation zu bauen, sagte ICN-Chef Roland Koch, der für den Deal keine ernsthaften Hürden sieht. Der Neuerwerb stellt Modems, Router und andere Zugangsgeräte für das Internet her. Zudem kaufe Siemens "nicht zu Traumpreisen", betonte der ICN-Chef. Dem Kaufangebot an die Efficient-Aktionäre entspricht ein Preis von 23,50 US-Dollar je Aktie. Im Vorjahr - vor dem Verfall der Nasdaq-Werte - wurde ein Papier der Texaner mit bis zu 186 Dollar gehandelt. Das in Dallas ansässige Unternehmen sei mit einem Jahresumsatz von zuletzt einer Milliarde Mark und Kunden wie AOL oder Bell South längst kein Start-up mehr, sagte Koch. Angesichts des Efficient-Kundenstamms erwartet er auch eine "extreme Stimulanz" des eigenen US-Geschäfts. Der Gründer und Topmanager der künftigen Tochter, Mark Floyd, werde im Siemens-Konzern die weltweite Verantwortung für das Geschäft mit Breitbandzugangstechnologie übernehmen. Binnen drei Jahren will Siemens in dieser Sparte vom jetzt fünften Rang unter die drei global führenden Konzerne vorstoßen.

Derzeit wird dieses Internetsegment, das weltweit zuletzt um 30 Prozent auf 25 Milliarden Mark Branchenumsatz gewachsen ist, von Alcatel, Cisco, Lucent und Nortel dominiert. Knapp 9000 Aktionäre in der Münchner Olympiahalle zeigten sich mit den Ergebnissen und Wachstumsstrategien größtenteils zufrieden. Siemens habe mit alten Dogmen aufgeräumt und fahre nun mit den Aktionären "reiche Ernte" ein, lobte eine Aktionärsvertreterin. Dennoch lägen die Renditen konzernweit im Branchenvergleich noch im unteren Bereich. Risiken sahen einige Aktionäre für das Handy-Geschäft. Zunehmenden Marktdruck speziell bei Mobiltelefonen räumte auch von Pierer ein. Er versprach jedoch weitere Ertragssprünge durch eine Innovationsoffensive. Wachsen soll Siemens auch durch sinnvolle Zukäufe.

Gegenüber einem "Megadeal" zeigte sich von Pierer skeptisch. Wenn Konzerne Modetrends nachgeben, folge dem Jubel nach einer milliardenschweren Akquisition zu weit überhöhten Preisen bisweilen die Katerstimmung mit sinkenden Kursen und zerstörten Firmenwerten. "Wir lassen uns in nichts hineindrängen", sagte von Pierer. Zurzeit stehe ohnehin die Übernahme der Atecs Mannesmann im Vordergrund. Auch Kooperationen oder die Aufgabe von Geschäftsfeldern seien aber kein Dogma bei anhaltend mangelnder Profitabilität einzelner Geschäftsfelder.

Neu ordnen will Siemens auch das expandierende Amerika-Geschäft. "Es ist an der Zeit, unsere Präsenz in den USA grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen," sagte von Pierer mit Blick auf den für 12. März dieses Jahres geplanten Börsengang der Siemens-Aktie an der New Yorker Börse. Ziel der bevorstehenden Korrekturen in den USA sei eine Steigerung der Ertragskraft. Belastet von diversen Zukäufen hat Siemens dort in der Periode 1999/2000 bei gut 30 Milliarden Mark Umsatz rund 200 Millionen Mark Verlust verbucht.

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