Wirtschaft : Siemens AG: Von Pierer hofft auf drei weitere Rekordjahre

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Die Siemens AG peilt drei weitere Rekordjahre an. Für die nächsten Jahre plane das Unternehmen, sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn zweistellig zuzulegen, sagte Konzernchef Heinrich von Pierer bei der Bilanzvorlage in München. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 1999/2000 (31. September) erzielte der Konzern einschließlich außerordentlicher Erträge einen Rekordgewinn von 7,9 Milliarden Euro (15,45 Milliarden Mark).

Die größten Gewinnsprünge erwartet von Pierer künftig im Kraftwerksgeschäft um die Tochter KWU. Der jetzt unter der Bezeichnung Power Generation (PG) firmierende Bereich soll seine Ebit-Marge mittelfristig von heute 0,7 Prozent auf zehn bis dreizehn Prozent steigern. Diese enorme Verbesserung will von Pierer durch Kostenreduzierung, den Ausbau des Servicegeschäfts und einen aktuellen Nachfrageschub bei Gasturbinen erreichen. Eine Vervielfachung der Rentabilität fordert der Vorstandsvorsitzende auch von den Bereichen Verkehrs- und Automobiltechnik sowie der Finanzdienstleistungssparte SBS. "Kein Geschäftsgebiet wird auf Kosten der anderen künstlich am Leben gehalten," sagte von Pierer.

Das Kfz-Zuliefergeschäft soll von der Zusammenlegung mit der jüngst zusammen mit Bosch von Vodafone/Mannesmann übernommenen Atecs profitieren, SBS von der Internet-Strategie des Konzerns. Ergebnispotenzial birgt ferner das Gemeinschaftsunternehmen Fujitsu Siemens Computers sowie das zuletzt hinter den Erwartungen zurückgebliebene Handy-Geschäft. Im neuen Geschäftsjahr sollen 50 Millionen Mobiltelefone verkauft werden. Regional lägen die Schwerpunkte des Wachstums in China und den USA, sagte von Pierer mit Blick auf den dort für kommendes Frühjahr geplanten Börsengang. In wenigen Jahren werde die Reihenfolge der umsatzstärksten Siemens-Länder "USA vor Deutschland vor China" lauten. In der vergangenen Periode erhielt der Konzern erstmals in den USA mehr Aufträge als in Deutschland.

Das beim Ergebnis erreichte Rekordniveau sei nur ein "Zwischenschritt", obwohl erstmals seit langem alle Geschäftsbereiche profitabel wirtschaften, betonte von Pierer. Das fast abgearbeitet Zehnpunkte-Programm habe eine Kulturrevolution im Konzern ausgelöst, die fortgeschrieben werde. Dabei stünden auch Zu- und Verkäufe auf der Tagesordung. Auf der Verkaufsliste stünde das im Rahmen des Atecs-Deals erworbene Panzergeschäft von Krauss-Maffei. Kooperationsgespräche führe man bei Solarenergie mit Shell. Von Pierer bekräftige die Absicht, sich von der Infineon AG, an der Siemens noch rund 70 Prozent hält, komplett zu trennen. Das geschehe marktschonend, in mehreren Schritten, von denen der nächste 2001 anstehen dürfte. Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger erwägt dabei, Infineon-Aktien auch an Siemens-Aktionäre im Tausch gegen deren Papiere abzugeben. Wer Siemens-Aktionär bleibt, soll demnächst im Zuge eines Aktiensplits für zwei Papiere ein drittes erhalten. Das senke den Kurs, was die Aktie leichter und damit handelbarer mache. Freuen dürfen sich Anteilseigner über eine Erhöhung der Dividende von einem auf 1,40 Euro; dazu kommt noch ein Sonderbonus von einem Euro je Aktie.

Für das laufende Geschäftsjahr 2000/01 rechnet von Pierer mit einem prozentual zweistelligen Umsatzplus und einem deutlich darüber liegenden Gewinnwachstum. Im Vorjahr hatte der Konzern seine Erlöse um ein Fünftel auf 153 Milliarden Mark und den Jahresüberschuss ohne außerordentliche Erträge um vier Fünftel auf 6,6 Milliarden Mark erhöht. Die inländische Belegschaft, die im vergangenen Geschäftsjahr um rund 6000 Stellen erhöht wurde, soll weiter ausgebaut werden. Weltweit beschäftigte der Siemens-Konzern Ende September 447 000 Personen.

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