Wirtschaft : Siemens-Aktie in Turbulenzen

Gerüchte um eine Gewinnwarnung und eine kontroverse Hauptversammlung drücken den Kurs

Corinna Visser

Berlin - Die Hauptversammlung von Siemens findet zwar erst am 24. Januar in der Münchner Olympiahalle statt. Die Aktie des Technologiekonzerns bewegt sie aber bereits jetzt kräftig. Denn Siemens- Chef Peter Löscher steht eine turbulente Zusammenkunft bevor. Zudem gab es am Mittwoch Spekulationen, Siemens stehe kurz vor einer Gewinnwarnung. „Es kursiert das Gerücht, dass Siemens seine Prognosen senken muss“, erklärte ein Händler. Die Aktie verlor zeitweise mehr als sechs Prozent. Doch ein Konzernsprecher wies die Spekulationen zurück. Es gebe keine Gewinnwarnung aus dem Hause Siemens. Daraufhin erholte sich die Aktie etwas. Sie lag am Abend aber immer noch 5,3 Prozent im Minus bei 98,09 Euro.

Peter Löschers erste Hauptversammlung als Siemens-Chef wird mit Spannung erwartet. Nicht nur weil der Konzern an diesem Tag seine Zahlen für das erste Quartal seines Geschäftsjahres (das am 1. Oktober begann) vorlegen wird. Löscher will dann auch die neuen Renditeziele für die neu geschaffenen Divisionen und Sektoren vorgeben. Seit Jahresanfang arbeitet der Konzern in der neuen Struktur. Dass Siemens in Sachen Rendite der Konkurrenz oft hinterherhinkt, beklagen Analysten seit langem. „Spitzenleistung auf höchstem ethischen Niveau“, verlangt der neue Konzernchef von seinen Leuten. In zwei Wochen wird er Zahlen nennen.

Doch neben der Zukunft wird die Vergangenheit ein großes Thema auf der Hauptversammlung sein. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) will den versammelten Aktionären vorschlagen, die Entlastung sämtlicher Mitglieder des Vorstands – mit Ausnahme von Vorstandschef Löscher – für das vergangene Geschäftsjahr so lange zu vertagen, bis endgültige und belastbare Ergebnisse aus der Untersuchung der Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton über die „Korruptionsaffäre“ vorliegen. Nach bisherigen Angaben des Unternehmens hat es rund 1,3 Milliarden Euro an zweifelhaften Zahlungen im Unternehmen gegeben. „Eine Entlastung wäre im Moment so etwas wie ein Freibrief“, begründete Daniela Bergdolt, DSW-Landesgeschäftsführerin in Bayern, dem Tagesspiegel. „Eine Nicht-Entlastung käme aber einer Verurteilung gleich. Daher sollte man die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat vertagen.“ Die Rechtsanwältin stellte klar: Juristische Konsequenzen habe die Entlastung nicht. Der Akt sei zwar nur symbolisch, aber dennoch ein wichtiger Gradmesser über das Vertrauen, das die Aktionäre in Vorstand und Kontrollgremium haben. Am Ende könne aber auch ein entlastetes Mitglied des Vorstands auf Schadenersatz verklagt werden.

Dennoch empfiehlt auch der einflussreiche US-Aktionärsverband ISS seinen Mitgliedern, die Mehrheit der ausgeschiedenen Konzernvorstände – unter anderem den ausgeschiedenen Vorstandschef Klaus Kleinfeld – und den früheren Aufsichtsratschefs Heinrich von Pierer nicht zu entlasten. Rund ein Viertel des Aktienkapitals von Siemens folgt in der Regel den Empfehlungen der ISS. Siemens will auf der Hauptversammlung einzeln über alle Mitglieder der Unternehmensspitze abstimmen lassen.

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