Wirtschaft : Siemens: Analysten-Liebling

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Ein Blick auf die Empfehlungslisten deutscher Banken lässt keinen Zweifel: Siemens gehört zu den Lieblingen der Analysten. Die von Konzern-Chef Heinrich von Pierer eingeschlagene Strategie, so die verbreitete Aussage der Siemens-Beobachter, sei sinnvoll und richtig. Im Klartext: Den Analysten gefällt die Mischung aus Börsengängen von Tochterunternehmen, Zukäufen und dem angestrebten Gewinnbeitrag aller Sparten.

Zu der positiven Beurteilung beigetragen hat eine Analysten-Konferenz der Industrie-Sparte vergangene Woche. Dieser Bereich sei sicher noch "zu breit aufgestellt", urteilt Roland Pitz, Technologie-Analyst von der Hypo-Vereinsbank. Die Verbindung von Industrie-Sparte, also Old Economy, und New Economy sei aber ein Vorteil, den nur Siemens habe. Damit könne Siemens Synergien nutzen, die Zeitvorsprünge und Wettbewerbsvorteile böten.

Durchaus überzeugt vom Industrie-Geschäft von Siemens zeigt sich auch Andre Remke von der Vereins- und Westbank. Der Hamburger Analyst sieht in diesem Bereich ausbaufähige Margen, also einen höheren Gewinnbeitrag. Sein Kursziel für die Siemens-Aktie: 195 Euro. Damit hat der Titel noch viel Aufwärtspotenzial, denn gestern kostete die Siemens-Aktie rund 168 Euro. Als Wachstumsmotor für den Kurs sieht Theo Kitz von Merck Finck & Co vor allem den Mobilfunk-Bereich. "Es ist beeindruckend, welche Energie Siemens in diesen Bereich steckt", betont Kitz. Er erwartet, dass die Mobilfunk-Offensive das Interesse für die Aktie bei den Anlegern erhöhen könnte.

Siemens habe den Wettbewerbern bereits Marktanteile abgenommen und den Handy-Bereich "massiv ausgebaut". Sollte es noch gelingen, mit einem Partner in China wie geplant einen eigenen Mobilfunkstandard zu entwickeln, sei das eine riesige Chance. Kitz sieht die Aktie in den kommenden sechs Monaten bei 190 bis 200 Euro. Positiv bewerten die Analysten auch den Kauf der Mannesmann-Industriesparte Atecs zusammen mit Bosch. Obwohl zahlreiche Details noch nicht bekannt seien, hält Hypo-Vereinsbank-Analyst Pitz das Geschäft für "einen gut ausgewogenen Deal". Zurückhaltender beurteilt Andre Remke die Übernahme. "Der Erfolg hängt von der Aufteilung zwischen Siemens und Bosch ab."

Gut aufgenommen haben die Analysten den angekündigten weiteren Rückzug von Siemens aus der Halbleiter-Tochter Infineon. Vergangene Woche hatte Siemens eine Wandelanleihe über zwei Milliarden Euro auf Infineon-Aktien aufgelegt, die von 2001 bis 2005 in Infineon-Aktien getauscht werden können. Im Anschluss gaben die Infineon-Titel kräftig nach. "Hier hat der Markt vielleicht zu negativ reagiert", unterstreicht Remke. Er hält das Signal, dass sich Siemens dadurch weiter von Infineon trennt, für durchaus positiv.

Die Phantasie auf weitere Börsengänge von Siemens-Töchtern hält derzeit vor allem Unisphere Solutions wach. Das amerikanische Internet-Unternehmen kommt nach Ansicht von Remke spätestens im ersten Quartal 2001 an die Börse. Damit zeige Siemens, dass der Gesamtkonzern in Bewegung bleibe. Durch die kontinuierliche Verbesserung in allen Bereichen bleibt Siemens nach Ansicht des Münchner Analysten Pitz ein Kaufkandidat "sowohl für kurz-, als auch für langfristig denkende Investoren".

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